Hüttenübernachtung mit Kind - Berliner Hütte

Meine erste Hüttenwanderung mit Kind – auffi muas i

Schon mal auf die Idee gekommen mit 30 Kilo auf dem Rücken eine Hüttenwanderung mit Kind zu unternehmen? Nein? Ich bisher auch nicht. Dann war ich im Zillertal und es war ein erster Versuch: pack ich das. Packt die Kleine das. Und wie wird’s wohl sein, nach mehr als 20 Jahren wieder auf einer Hütte zu übernachten. Wollt ihr auch wissen? Na dann viel Freude mit dem Lesestoff :)

Mit Kind auf einer Hütte in den Alpen übernachten – eine gute Idee

Das Szenario einer Hüttenwanderung mit Kind beschäftigt mich ja schon eine ganze Weile. Spätestens als ich letztes Jahr mit der kleinen Rakete abends um fünf vor den drei Zinnen in Südtirol stand, dachte ich: mensch, hier würde ich jetzt aber gern übernachten. Wie mega muss der Sonnenaufgang hier sein. Blick all over. Hatte aber nix bei, ausserdem war Corona und die Hüttenregeln damit etwas strenger. Also halt wieder runter.

Den letzten Winter habe ich genutzt, mich vorzubereiten. Seelisch. Örtlich. Körperlich. Aktuell brauche ich nämlich ziemlich lange für egal was. Was gibt es so zu beachten, wenn man mit einem Kind auf einer Hütte übernachten will, welche Hütten eignen sich und halte ich sowas eigentlich durch? So ein Kind läuft zwar, aber halt keine 9 Kilometer bergauf. Und schon gar nicht, wenn es sich dabei um einen schnöden Forstweg handelt. Wir waren als im Sommer ein paarmal übungswandern. Und das Kind hat Bock. Zumindest dann, wenn auf dem Weg nach oben (oder unten) was passiert. Das können Murmeltiere sein, ein Bach, Schnee, Steine. Der eben bereits genannte Forstweg kickt nicht so besonders, da möchte Madame dann doch lieber in die Kraxe.

Finally – Einsteigertour. Auf die Berliner Hütte. Mit Kind. Im Zillertal

Die Entscheidung fiel dann durchaus spontan. Hatte ich mir zuerst die Olperer Hütte eingebildet (weil Instafame, you know), habe ich mich dann schlussendlich spontan doch für eine andere Hütte entschieden. Zum einen war die Olperer Hütte fast immer ausgebucht, zum anderen ist der Spot eben auch wirklich oftmals recht überlaufen und das Hüttenjahr näherte sich bereits dem Ende. Also habe ich mich für die Berliner Hütte entschieden. Sie liegt auf 2042 Metern Höhe in den Zillertaler Alpen. Die Berliner Hütte ist die erste Schutzhütte der Zillertaler Alpen, damals noch klitzeklein und die Gletscherzunge für der Tür. Sie gehört zum Berliner Höhenweg und ist die älteste der acht Hütten, die man auf diesem Weg kreuzt. Sie hat wirklich Charme und tolle neue (junge!) Pächter, gutes Essen, jede Menge Schnaps und ihr könnt bei eurer Buchung wählen, ob ihr ein Zweibettzimmer, Mehrbettzimmer oder den Schlafsaal vorzieht.

Hüttenübernachtung mit Kind - Berliner Hütte

Der Weg zur Berliner Hütte ist knapp 9 Kilometer lang und es sind 1000 Höhenmeter zu überbrücken. Angegeben ist die Gehzeit mit 3 Stunden. Wir haben fast 6 Stunden (rauf) gebraucht, weil wir quasi überall stehenbleiben mussten. Ein Bach. Ein Baum. Fliegen in der Sonne, eine Kuh, noch eine Kuh. Eine Hütte, ein Stein, eine Pfütze. Mama braucht eine Pause. Hunger. Durst. Irgendwas ist halt immer.

Der Start ist easy, es geht kaum bergauf ins Tal hinein (innerlich ruft mein Hirn, es muss doch mal bergauf gehen, ich muss doch noch 1000HM rauf!!), der Forstweg ist insgesamt seeeeeehr lang. Glücklicherweise ist der Weg dennoch nicht zu fad, am Rand gibt es immer wieder was zu entdecken und wir haben Milliarden Snacks dabei, um uns den Bauch vollzuschlagen. Dennoch, das letzte Stück, es geht hier nur über wilde Steinstufen bergauf, ist das spannendste. Und wenn dann die Hütte endlich auftaucht, dann ist sowieso alles gut. Ziel erreicht. Serotoninaufguss im Gehirn.

Hüttenwanderung mit Kind – Vorbereitung und eine Art Packliste

Ich bin ja nicht die Erste, die eine Hüttenwanderung mit Kind unternimmt, da gibt es schon ein paar Profis. Bei denen habe ich mir auch – gerade was die Ausrüstung angeht – Inspiration und Information geholt. Im Nachhinein habe ich bei mir noch einigen Verbesserungsbedarf feststellen können, aber der nächste Sommer kommt ja auch wieder und damit mit Sicherheit auch wieder eine Übernachtung auf einer Hütte.

Zur Vorbereitung gehört halt im Prinzip unter anderem folgendes:

1. Checkt die Hütten und die Wege – ist es konditionell für euch und eure Kids machbar, wie viel laufen sie, wie sicher seid ihr und eure Kids unterwegs und manchmal auch, wie sehr spuren eure Kinder schon oder springen sie dann einfach den 200 Meter Abhang hinunter.

2. Nehmt wirklich nur das Nötigste mit, die vielen Schichten Klamotten sind wirklich unverzichtbar, gerade wenn 1000HM anstehen, unten heiß, oben kalt – Zwiebelprinzip kommt hier gut zum Einsatz, Zwiebelprinzip heißt aber auch, dass die Klamotten klein zu falten sind.

3. Schaut, dass ihr leicht bleibt. Leichter Schlafsack, leichte Klamotten, leichtes Stativ, keine Wertgegenstände (in der Hütte ist halt einfach alles offen, auch die Zweiraumzimmer haben keinen Schlüssel), kein Schischi, den braucht ihr eh nicht.



4. Nehmt euch Zeit. Wenn bei Touren steht, sie dauern 3 Stunden, dann sollte euch mit Kleinkind klar sein: dauern sie nicht, wird eher mehr.

5. Informiert jemanden, wo ihr seid. Falls eben doch irgendwas is…dann wissen die Informierten, wo sie jemanden zum Suchen schicken.

6. Aktuell auch nicht unwichtig: checkt die Coronaregeln. Oftmals ist 3G die Regel, manchmal aber auch 2G, ohne Anmeldung ist schwierig, aber ich wage zu behaupten, dass keiner den Berg nachts wieder runtergeschickt wird oder vor der Tür schlafen muss.



7. Bargeld! Nicht alle Hütten haben Kartenzahlung. Und denkt dran: Hütte ist nicht billig, denn das Essen muss hochgeschafft werden, das kostet. Wir haben zu Zweit etwa 100 Euro für eine Nacht (inkl. Essen und Getränke, einer warmen Dusche und einem Zweibettzimmer) gezahlt. Ohne Mitglied im Alpenverein zu sein (Mitglieder zahlen weniger).
Auf der Berliner Hütte gibt es die Möglichkeit Halbpension zu buchen, da ist dann ein ordentliches Abendessen und ein gutes Frühstück bei. Wer keine HP bucht, kann auch einige Speisen a la Carte aussuchen.

Die Packliste in kurz und schmutzig:

Auf was ich niemals verzichten würde: Wolle, Wolle Seide und viele Schichten. Das Kind (2) hatte folgendes dabei:
– lange Unterhose aus Wolle Seide
– eine Strickhose
– eine Ersatzhose
– eine Wollwalkhose
– zwei Unterhosen (man weiß ja nie)
– zwei Paar Socken (ein Paar Wollsocken als Hausschuhe)
– Mütze
– Handschuhe
– Walkjacke
– Wolle Seide Unterhemd, Longsleeve
– einen dickeren Pullover
– Wanderschuhe (von Viking)

– ich hatte zwei Icebreaker-Shirts aus Merino dabei (eins an, eins als Ersatz), die sind so super, weil sie nicht stinken, egal wie nass man es schwitzt
– Merino-Strickjacke
– Daunenjacke
– Mütze
– ein Paar Ersatzsocken (ich schwöre auf Stox Kompressionsstrümpfe)
– ein Paar Wollsocken als Hausschuhe
– ein Paar Wanderschuhe (von Viking)
– eine Unterhose

Ausserdem: ein kleines Handtuch, einen Sommerschlafsack und einen Kopfkissenbezug.

An Technik hatte ich mein Ladegerät, meine Kamera und die Drohne dabei. Die Drohne habe ich diesmal leider nicht genutzt, hätte stattdessen das Stativ mitnehmen sollen. Oder nix davon. Ausserdem dabei: 4 Äpfel, ein paar Riegel von Hej (die sind lecker und machen satt), eine Packung mit Landjägern und eine Literflasche Wasser von flsk.
Die Wasserflasche würde ich zukünftig unbedingt gegen einen Wassersack austauschen – das macht sich gewichtstechnisch nochmal bemerkbar.

Beauty: Zahnbürsten + Zahnpasta, Taschentücher, UV50 Creme.

Im Prinzip musste alles in meine Kraxe von Thule passen, plus in den Rucksack, der sich an der Kraxe befestigen lässt. Gewichtstechnisch lag ich mit Kind schätzungsweise bei 30 Kilo auf dem Rücken. Und ich gebe zu: raufwärts wars ok, da ist sie aber auch viel selbst gelaufen, runter war die Hölle. Ich hatte es versäumt, die Kraxe ordentlich einzustellen und hatte nach 9 Kilometern Schlepperei (weil Kind faul wie Hölle) dann durchaus Hüftschmerzen UND aufgeschrammte Haut an den Hüftknochen (weil Gurt von Kraxe und Hose rumgerieben haben). Am Auto angekommen, saß ich erst mal 20 Minuten bewegungslos im Kofferraum. Zwei Tage hatte ich mit meinen Oberschenkeln und Waden zu kämpfen.

Ein kleiner Tipp am Rande, redet man ja nicht so gern drüber: schneidet eure Fußnägel kurz! Das kann euch Schmerz, blaue Fußnägel und abfallende Fußnägel ersparen. Und ey, es waren nur 18 Kilometer Fußweg. Aber eben auch neun nach unten. Wenn die Schuhe dann nicht richtig sitzen, kann viel in die Hose gehen.

Lohnt sich so eine Hüttenwanderung?

Das kommt ganz drauf an, was ihr erwartet. Die Nacht in der Berliner Hütte war kurz und unterbrochen. Das Kind wollte nicht im eigenen Bett schlafen, also teilten wir uns ein knarziges 90cm Bett. Entweder traust du dich nicht, dich zu bewegen, weil du sonst die ganze Hütte aufweckst oder du wachst auf, weil jemand anders aus dem Nebenzimmer (oder anderem Stockwerk?) aufs Klo torkelt und die ganze Hütte aufweckt. Ab 5 ist die Hüttenruhe vorbei, diverse Wecker wecken dich immer mal wieder auf und Frühstück gibt es von 6 bis 8. Rechnet damit, dass euer sonst früh aufstehendes Kind um 7:15, 7:30 und 7:40 durch die Hütte ruft: „ICH BIN ABER NOCH MÜDE!“. Wir haben es dennoch grad so pünktlich zum Frühstück geschafft (und die sind da wie gesagt so nett, Frühstück stand schon deutlich länger)

Ich fand das Erlebnis mega, auch die Kleine war durchaus beeindruckt und schwärmt heut noch von „ihrer balina hütte“. Auch wenn die Hütte ganz ohne Hardcore-Sonnenuntergang (-aufgang) oder mega Aussicht ins Tal auskommt. Man schläft in einer Art Kessel unter dem klaren Sternenhimmel (irre), es ist herrlich finster und sehr, sehr beeindruckend. Mit Stativ hätte das auch mit dem Milchstraßenfoto was werden können…nun ja, nächstes Mal. Und klar, auch das Gefühl von: das haben wir heute geschafft hat schon was. Generell war die kleine Rakete auch Gesprächsthema, war sie halt das einzige Kleinkind da oben und damit fühlt sich Madame sehr wohl.

Und würd ich es wieder machen? Ja und ja und ja! Und ich freu mich schon auf den nächsten Sommer, denn die Berliner Hütte ist jetzt erstmal in der Winterpause!

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