default

Sand ist manchmal genug – Reethi Beach Resort

Es war die beste Malediven Reisezeit. Also für mich. Und so gesehen war der Urlaub auf dem Reethi Beach Resort eher eine Corona Flucht. Deswegen habe ich es auch erst einmal für mich behalten und bin einfach geflogen. Für die Seele. Für einen neuen Blickwinkel. Und weil ich einfach keine Lust mehr hatte, die Arschbacken noch enger und länger zusammenzukneifen und schon gar nicht auf das Feedback aus dem Internet. Ich war durch, völlig egal, wie sehr die Welt da draussen gerade eigentlich wollte, dass ich weiter abliefere. Wo ist eigentlich der Augenringe-Smiley?

Die Kitas gingen wieder in die Notbetreuung und ich hatte einen innerlichen Nervenzusammenbruch. Tagelang war ich schon nur noch schwer zu mobilisieren, wie ich überhaupt diese trüben Tage mit der Zweijährigen rumgebracht habe, ich kann mich nur noch wie in einem Nebel erinnern.
Ich weiß noch, ich habe viel geheult. Nix mehr mit „Wie schaffst du das nur alles.“.

Draussen Regen und Grau, schon seit Wochen, drin ein genervtes Kleinkind, ein völlig überarbeiteter und überreizter Vater, der auch an seinen letzten Reserven zehrte und eine immer stillere 14jährige und ich, nervlich inzwischen irgendwo kurz vor dem Wunsch mich einzugraben, lasst mich bloß in Ruhe. Tonalität: gereizt. Leider ging so auch die Fluffigkeit meiner Texte flöten.

So oder so: Ich muss hier raus.

Kitas also wieder zu, ist ja Corona, Kind zuhause, ich musste raus. Dringend. Ich hatte keine Lust mehr auf „Wir halten jetzt alle gemeinsam durch“, denn ich war zwar durch, aber halten konnte ich nicht mehr viel. Die Wut, der Frust, die Traurigkeit, alles wurde immer größer und dann passierte es im Affekt: ich wollte hier weg, egal wie uncool das gerade war. Donnerstag gebucht, Sonntag das Land verlassen. Das muss mich (und uns!) jetzt retten.

Raus konnte man ja, PCR-Test sei Dank. Ich hatte erst recherchiert, ob coronabedingt was innerhalb Europas auch passen würde oder meinetwegen VAE, aber die Malediven erschienen mir für eine Reise inmitten einer Pandemie so gesehen am sichersten und durchaus umsetzbar ohne sich gleich was einzufangen.

Reethi Beach Resort Maldives

Warum auf die Malediven während Corona? Verschiedene Faktoren:

  • In Europa war mir ganz banal das Wetter zu schlecht
  • Die Einreisebedingungen nach Spanien ausserdem zu easy (keine Tests für Kinder unter 6/12)
  • Die Hotelzimmer sind überall zu dicht beieinander
  • Keine Einsamkeit, keine Ruhe, kein Runterkommen, stattdessen Promenade, Meerblick nur mit Glück und nun ja, womöglich (zu) viele Menschen
  • Dubai? Wäre zwar vom Flug her näher, aber die Zahlen waren hoch, die Einreise ebenfalls zu easy

Auf den Malediven wurde und wird bei Einreise alles über einem Jahr PCR-getestet und so ziemlich alle Resorts bieten eigene Hütten mit jeder Menge Abstand zum Nachbarn. Gegessen wird an der frischen Luft. Und: meistens ist vor meinem Haus Wasser zu sehen. Und Sand. Aber keine Promenade und wenig andere – immerhin getestete – Leute. Es gibt keine Autos und jede Menge Sand für Burgen, fürs Kind. Übrigens: ein Großteil des Personals auf den Resorts ist schon seit März geimpft, egal wie jung.

Aber um noch etwas zur Reisezeit für die Malediven da zu lassen, zumindest für die, die gerade die beste Reisezeit für die Malediven suchen: Auf den Malediven ist es eigentlich immer warm. Nicht immer eitel Sonnenschein und es gibt auch Wochen, in denen das Wetter richtig mies ist, aber grob gesagt: die allerbeste Reisezeit liegt zwischen Oktober und März, besonders viel Regen fällt zwischen Juni und Juli. Wir waren auch schon im August auf den Malediven und bis auf einige Regenschauer war das Wetter völlig ok. Deswegen gilt in meinen Augen: geht so gut wie immer. Ihr könnt euch aber auch mit den Hotelmanagern in Verbindung setzen, die können euch, weil sie meist schon längere Zeit vor Ort sind, auch genaueres zur Wetterlage sagen und ja, es gibt das schlechte Wetter auch auf den Malediven. Eine Wetter-Glaskugel in die alle gucken, haben sie auch nicht.

Raus aus dem Corona-Hamsterrad – rein in die Malediven-Badewanne

Affektbuchung also abgeschlossen. Diesmal habe ich für meinen Urlaub auf den Malediven kein All Inclusive gebucht – allein mit Kleinkind würde sich der Preis nicht lohnen, so viel kann ich gar nicht versaufen. Schon nach dem Buchungsprozess (der mehrere Tage dauerte, denn ich konnte gerade weder irgendetwas planen, noch eine Entscheidung fällen) hatte ich ein leichtes Hoch – ich konnte mich schon gar nicht mehr erinnern, was das war. Wie bereits erwähnt, war ich inzwischen längst nicht mehr in der Lage, IRGENDETWAS groß zu planen, weil es mich überforderte – das ist übrigens auch heute größtenteils noch so. Frag mich, was ich morgen mache und ich sag dir: Keine Ahnung. Ich kann und will mich auch nicht festlegen. Für meine Umwelt der absolute Horror und für mich, wenn ich doch etwas planen muss.

Anyway. Geht los. Ich weiß noch, wie beruhigend das Meer 2015 auf mich gewirkt hat, als wir auf Kurumba waren. Also lassen wir uns einen Tag vor Abflug am Flughafen PCR-testen – das Kind macht das besser als ihre würgende Mutter – der Flug selbst startet in Berlin, geht nach Frankfurt und von da direkt nach Male. Ein Nachtflug. Super entspannt, Kind verpennt den Flug einfach. Das Flugzeug war so leer, die Anwesenden konnten sich einzeln auf die Reihen verteilen und im Liegen schlafen (der Rückflug war hingegen extrem voll).
Von Male noch einmal per verspätetem Inlands-Linienflug zum Reethi Beach Resort. Ankunft. Juhu.

Reethi Beach Resort – Wir sind da – brauche nichts

Die ersten zwei Tage haben wir verschlafen. Wir haben das Frühstück verpennt, zum Mittag dann gefrühstückt, dann Mittagsschlaf bis zum Sonnenuntergang, Abendessen und wieder schlafen. Gefühlt haben wir beide insgesamt viele Wochen an Schlaf nachgeholt (auch wenn das ja gar nicht möglich ist). Vielleicht sind wir auch beide einfach nur endlich irgendwie runtergekommen. Oder ich. Weil Kinder ja alles spüren und so.

Weder ich, noch das Kind haben in den letzten zwei Jahren so gut geschlafen wie in den folgenden zwei Wochen auf dieser, „unserer“ Insel. Die Augenringe waren weg. Die Haut wurde sonnig. Nach drei Tagen habe ich dann auch mal mit dem Heulen aufgehört. Musik gehört. Drei Bücher gelesen. Zwei Wochen haben das Kind und ich uns nicht angeschrien. Danke.

Und der vielleicht wichtigste Punkt neben familiärer Harmonie: Zwei Wochen hatte ich kein (richtiges) Internet. Das gab es nämlich nur an der Rezeption und Essbereich. Ich konnte also, wenn ich mit der kleinen Rakete zum Essen ging, Nachrichten empfangen, habe sie dann irgendwann im Zimmer beantwortet, raus gingen sie aber erst, wenn ich wieder an der Rezeption vorbei ging. Kommunikationshygiene my ass.
Eins der Bücher, das ich auf den Malediven gelesen habe, war passender weise Digitale Balance von Christoph Koch. Wer abends nicht mehr am Mobiltelefon zockt, hat plötzlich viel Zeit für Bücher. Wunderbar.

Wir haben Stunden damit zugebracht einfach nur am Strand zu hocken. Oder im Wasser zu planschen. Der Wellengang hat die kleine Rakete total fasziniert. Und natürlich gab es auch was zu tun und irgendwann lernt man auch oder gerade auf so einer kleinen Insel andere Menschen kennen und der Ablauf war gesteckt: Frühstück, mit dem SUP um die Insel gurken – und ja, zweijährige Kinder kann man durchaus mit auf ein SUP nehmen, wenn sie es mitmachen. Danach wieder planschen gehen. Mittagessen. Mittagsschlaf. Sonnenuntergang an der Beach Bar oder Fisch- und Rochenfütterung angucken oder beides. Abendessen. Schlafen. Von vorn.

Insgesamt war also nicht viel zu tun. Die Tage waren hell und leuchtend. Der Geist wurde es auch. Alles wurde wieder irgendwie luftiger und sonniger und je länger die Reise dauerte, desto mehr wusste ich wieder mit mir anzufangen. Das Kind hat fast zwei Wochen gar keine Glotze gebraucht, ich erwähne das, weil das vorher einfach anders war. Mann arbeiten, ich arbeiten, Kind zuhause, Kind geparkt. So einfach ist das. Hier war nix zu parken. Ich hatte nicht mal einen Laptop dabei. Nur die Kamera. Und auch das ist was Positives, ich hatte wieder Lust auf Fotos. Und Zeit mit Blenden, Iso und anderen Einstellungen verbracht.

Reethi Beach – Malediven trotz Corona

Das Besondere für mich waren auf dem Reethi Beach Resort vor allem die Menschen. Das Personal ist extrem freundlich und aufmerksam (jeder wusste irgendwann wer die kleine Rakete war und vor allem WO sie gerade wieder rumrannte, wenn sie mir mal wieder abhanden gekommen ist), die ganze Atmosphäre sehr familiär. Bisher hatte ich das nur auf Einheimischeninseln so erleben dürfen. Ich hatte zudem doppeltes Glück, die Hotelmanagerin samt Mann und vierjähriger Tochter leben dort und sprechen Deutsch – und sind supernett. Die Kids haben sich direkt angefreundet.

Die Insel selbst war – wie vermutlich alle – mega. Sie ist von Male nochmal per Inlandsflug und kurzem Boottransfer oder per Wasserflugzeug und noch kürzerem Boottransfer erreichbar. Ich empfehle dringend letzteres dazuzubuchen (180 Dollar / Person, Kinder deutlich weniger), die Verspätung des Linienflugs hat uns bei der Anreise nochmal ganz schön Kraft und Nerven gekostet.

default

Die Ausstattung war für mich völlig super. Ich liebe das Outdoor-Bad und die Betten sind groß und bequem und immer sauber – wer den Sand aus der Arschritze im Bett verteilt, kriegt am nächsten Tag trotzdem ein sandloses Bett. Die meiste Zeit halten wir uns aber draussen auf. Den Raum benötigen wir tatsächlich hauptsächlich nur, um zu schlafen und Muschelfunde abzulegen. Am Strand gehören zwei Liegen mit Schirm zur Villa. Und wir sind unweit der Beach Bar untergebracht – rundum versorgt also.

Das Essen – sehr abgefahren fand ich ja, dass es tatsächlich mehrfach R O S E N K O H L gab. Und was habe ich dieses Nachspeisenbuffet geliebt. Langweilig wurde es nicht. Auch wenn sich ab und an der Themenabend wiederholt hat, das Buffet war so reichhaltig, dass ich immer was anderes essen konnte. Zur Not hätte es aber auch noch zwei weitere Restaurants gegeben.

Die Freizeit lässt sich auf der Insel ziemlich gut rumbringen. Wem es nicht reicht, den ganzen Tag auf der Liege unterm Schirm zu braten, der kann sich in Tauchkursen austoben (Reethi Beach ist übrigens ein Paradies für Mantas! Habe leider nur (oberkrasse) Videos gesehen) oder eben SUP und Kanu fahren. Wer es schneller mag mietet sich ein Jetski oder einen Katamaran oder traut sich auf ein Flyboard. Abends werden Stachelrochen (!) gefüttert (der Tierschützer mag jetzt stehende Nackenhaare haben, aber mei) und zum Sonnenuntergang trifft sich ein großer Teil der Insel dann an der Sunset-Bar auf einen Absacker vor dem Abendessen. Danach gibt’s ab und an noch Disko und ey, als ich dort gelandet bin, hatten sie einen recht frischen Barkeeper vor Ort, der wirklich richtig, richtig, richtig gute Drinks mixt.

Wat mut dat mut

Diese eher unkonventionelle Reise mitten in der Coronazeit war nicht das, was mein Umfeld sonderlich erfreut hat. Auch und gerade im Netz habe ich gesehen, wie mit Menschen umgegangen wird, die zu dieser Zeit ihr Ding gemacht haben und verreist sind. Und klar, zum reisen kommt jetzt auch noch böses fliegen.

Aber manchmal. Ist. Es. Eben. Wie. Es. Ist. Und ich trage meinen Fuck It Pullover mit Stolz.

Und was soll ich euch sonst noch mitgeben? Wenn es euch schlecht geht, holt euch Hilfe, redet mit eurer Familie, das sind die, die als erstes verstehen müssen, dass es euch nicht gut geht. Scheißt auf Lösungen, von denen ihr wisst, dass sie für euch nicht funktionieren und tut das, von dem ihr glaubt, dass es euch hilft. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: diese Reise hat mich aufgefangen und wenn die Tage zu dunkel sind, dann gucke ich mir einfach wieder diese hellen und leuchtenden Bilder an.

default

Mehr Bilder und Reels folgen auf Instagram. Ich habe über 1000 Bilder geschossen (Mobilefotos nicht mitgezählt – auf einer 600m langen Insel) und davon immerhin 200 bearbeitet. Zuscheissen kann ich euch mit Sonne und Glücksseeligkeit.

Teile diesen Beitrag

Hallo! Schön, dass ihr hier gelandet seid. Auf butterflyfish findet ihr seit 15 Jahren alles rund ums Reisen, Design und DIY mit und für Kinder.

Weitere Beiträge
weniger ist mehr
Weniger ist mehr