Familientagebuch – Woche 1

Kerstin von Sanvie hat eine wundervolle Idee – ein Familientagebuch. Für die Zeit, die wir jetzt hier zuhause sind. Ich weiß nicht, inwieweit ich es füllen kann, werde, und weiter will, denn auch jetzt ist Zeit immer noch ein wertvolles Gut. Mehr denn je, denn ich bin wieder an dem Punkt, der mich letztes Jahr sehr viel gekostet hat. Ich habe keine Hände mehr frei. Das Kind ist jetzt zwar eineinhalb, aber ehrlich gesagt: so viel besser macht das die Situation nicht. Die Rakete ist an oder aus, etwas dazwischen gibt es nur in seltenen Momenten. 😜

Auch sonst passiert gerade einfach sehr viel im Kopf. Wie soll das weitergehen, ich habe noch einen mittelgroßen Auftrag und zwei Kunden, die gerade selbst nicht wissen, ob sie den Sommer überstehen. Und dann wars das. Keine Einnahmen – und ehrlich gesagt sowieso auch kaum eine Chance, etwas abzuarbeiten. Der grüne Zweig, den ich seit meinem Rollerunfall 2016 verloren habe, ist gerade wieder in weite Ferne gerückt.

Dann der große Frust, wir haben unseren Urlaub abgesagt. Nächste Woche Dienstag hätte es losgehen sollen. Sechs Wochen Thailand. SECHS. WEG HIER! Ein halbes Jahr Vorfreude. Ein halbes Jahr Organisation. Das große Kind besuchen, abholen und noch etwas durchs Land reisen. Tja. Keine Palmen, keine Pools, keine warmen Temperaturen. Die Schubladen sind voll mit UV-Klamotten, Sonnencreme und anderem Krempel, den man eben so mitnimmt. Aber der bleibt jetzt erstmal in den Schubladen. Und das macht miese Laune.

Ich versuche also gerade insbesondere das: nicht mit der Situation zu hadern – ich bin ja doch mehr der Mensch, der es richtig gut kann, sich selbst runterzuziehen. Scheiß Melancholie.

Familientagebuch – Woche 1

Wie viele Tage sind wir schon zuhause?
Seit letzter Woche Donnerstag. Mein Mann ist Journalist, wir haben uns recht früh auf sowas eingestellt (hätten auch auf frühere Kita-/Schulschließungen gehofft).

Wie ist die aktuelle Stimmung
Ich bin selbständig und ich habe gerade keine Chance zu arbeiten. Denn: wer mehr verdient, schafft an. So einfach und so notwendig ist das eben aktuell. Und mein Job, egal ob meine kostenfreie Carearbeit oder den anderen wenigen Kram, den ich da gerade für Geld noch mache, der wirft nicht genug ab um fünf Leute zu ernähren. Da muss ich nichts beschönigen.

Ich bin also der tagtägliche Kinderbespaßer mit kurzen Pausen und meine abzuarbeitenden Sachen versuche ich in der Stunde Mittagsschlaf und abends zu erledigen, wenn das Kind im Bett ist. Leider bin ich abends meistens schon so durch, dass ich nur noch wenig Konzentration aufbringe. Und manchmal würde ich einfach auch gern mal auf dem Sofa liegen. Es geht also alles sehr langsam bis gar nicht vorwärts. Ich will mir nicht ausmalen, was da noch kommen wird. Ich bin nur froh, dass ich es nicht alleine meistern muss und das die Familie zudem seit heute wieder komplett, sicher zuhause und gesund ist.

Das Schöne: die Rakete ist ein unfassbarer Gute-Laune-Bolzen. Immer Vollgas, immer dies, immer das und bitte Lachen, Spaß haben und fröhlich sein. Das sorgt momentan für ziemlich gute Tage, auch wenn ich mich zwischendurch gern kurz hinsetzen möchte. Ich habe aber nur wenig Zeit, Trübsal zu blasen oder über diese Kackscheiße da draussen nachzudenken. Das kommt erst abends.

Der schönste Moment diese Woche
Rückkehr des großen Sohns, wir waren ja nicht sicher, ob das alles reibungslos klappt…hat es aber. Und das heutige Résumé für diese Woche: ich habe mit so vielen Menschen telefoniert und geschrieben wie schon lange nicht mehr. <3

Der Schlimmste Moment diese Woche?
Die LKWs in Italien. Und mehr als 4000 Todesfälle. Das sind von gestern zu heute fast 700 Tote an einem Tag.

Was stresst dich gerade?
Die Hilflosigkeit in alle Richtungen. Das ich kreativ gerade nichts zusammenbringe. Das ich keine Möglichkeit habe, mal acht Stunden am Stück zu gucken und zu probieren und am Ende ein Ergebnis zu haben, das ich einem Kunden auch zeigen will. Das mein Kopf so voll ist mit allerlei anderem Mist (Zukunftsangst, Angst um Teile meiner Familie auf die ich gerade keinen Zugriff habe, Geldangst, das Leid der Anderen…) und ich es nicht schaffe runterzukommen. Ich würde ganz besonders jetzt so gern meditieren lernen oder Yoga machen. Aber ich zittere schon los, wenn ich nur dran denke jetzt NICHT zu arbeiten, wenn es schon gerade mal geht…nicht, dass ich dann irgendwas sinnvolles zusammenbringe…

Was hat besonders Spaß gemacht
Die Tage mit der kleinen Rakete zu verbringen und lauter neue Sachen an ihr zu entdecken. Neue Wörter, neue Moves, neue Charakterzüge….jeden Tag zweimal mehrere Stunden spazieren gehen hilft enorm gegen Stress und Müll im Kopf.

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