Ehrlich gesagt war eine Reise in die Schweiz für mich ganz lange überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Ich habe nie verstanden, wie meine Patin mit Familie da jeden Sommer immer in den Urlaub hinfährt. Ist doch teuer. Ist doch fad immer das Gleiche? Heute ist deren große Tochter in die Schweiz ausgewandert und wohnt nahe Zürich. Kann also so schlecht nicht sein. Nach meinem ersten Besuch in der Schweiz, das war in Zürich, 2010 oder 11 habe ich verstanden, warum. Schon dieser kleine Ausschnitt hat mich gekickt. Wie schön kann man denn bitte sein! Und dann ist 2016 meine beste Freundin auch noch hingezogen, ich hatte hier mal über Baden im Aargau berichtet. Nun ja, ich musste also auch nochmal hin. Und ja, war schön. Verstehe jeden, der dort leben möchte.
Mir fällt wirklich nichts Schöneres ein, als oben am Fronalpstock zu stehen und runter zu schauen.
Dabei ist die Schweiz klein auf der Karte und jetzt eben seit Jahren riesig im Kopf. Heidi, Berge, Postkartenkulisse. Und dann ploppte eben auch irgendwann diese legendäre Route auf, die ich jetzt bestimmt fünf Jahre in meinem Kopf auf meiner Wunschliste hatte: einmal rundherum, mehr als 1.600 Kilometer, 5 Alpenpässe, 22 Seen, 13 UNESCO-Welterbestätten. Und Achtung: 4 Sprachregionen.
Ich bitte euch: die Grand Tour of Switzerland war so lange in meinem Kopf wie kein anderes Reiseziel. Und dabei hätte ich auch einfach hinfahren können.

Ich wollte euch heute erzählen, ob, naja, warum die Grand Tour Switzerland auch mit Kindern unbedingt eine Reise wert ist. Also habe ich das Kind eingepackt und bin losgefahren.
Grand Tour of Switzerland – die Route
Natürlich könnt ihr euren eigenen Plan aufstellen, meiner war der hier:

Start in Schaffhausen, einmal rum, ein paar Umwege, weil „wenn ich schon mal da bin“ und trotz der langen Strecke habe ich nur einmal getankt, der Spritverbrauch meines in Berlin genutzten Mazda 6 Kombi (2021) sank von 8,2 Litern auf 5,4! Ihr wisst ja: auf keinen Fall zu schnell fahren, weil IRRSINNIG TEUER.
Gefahren bin ich also durch – ich glaube – 10 Kantone. Und habe mir extra in der Schweiz einen Kinder-Atlas gekauft, damit wir auch wissen und verstehen, wo wir sind und was da so los ist.
Viele Highlights reihen sich bei der Grand Tour of Switzerland auf einer landschaftlich wirklich abartig schönen Route aneinander. Es sind lauter Perlen. Alles. Und ja, ich bin geflashter, als ich erwartet habe. Ich zehre heute noch davon und es ist mit das BESTE, was ich je machen durfte. Ihr trefft auf ländlichen Alpenraum, pulsierende Städte oder versnobte Touri-ecken (Interlaken), ganz viel Natur und Kultur und noch so viel mehr. Alles ist irgendwie faszinierend. Die Route verbindet alle touristischen Regionen der Schweiz und die lassen sich natürlich auch kinderfreundlich gestalten mit jeder Menge Schokolade, Käse oder dem bisher besten Technikmuseum, das ich je besucht habe (und ich bin gerade beim dritten Kind, das waren schon ein paar).
Die Grand Tour of Switzerland könnt ihr nicht nur mit dem Auto oder dem Motorrad abfahren, sondern auch mit dem Campervan oder dem Wohnmobil. Tatsächlich habe ich mir im letzten Jahr öfter gedacht, wäre ich doch mit dem Van gefahren. Unter anderem spart ihr euch so die Packerei und habt euer „Zuhause“ immer dabei.

Meine Highlights der Grand Tour Switzerland
Knapp zwei Wochen hatten wir für unsere Route Zeit und hier sind die Highlights und eine erste kurze Zusammenfassung unserer Route. Unser Fokus lag natürlich mehr auf einer Familienreise, immerhin war ich mit Kind unterwegs.
Erste Etappe: Vom Rheinfall über Winterthur nach St. Gallen.
Der Rheinfall ist der größte Wasserfall Europas und ist definitiv einen Besuch wert.
Am besten morgens, dann ist noch nicht so viel los. Unbedingt mit dem Boot fahren! Danach weiter nach Winterthur ins wohl tollste Science Museum für Kinder und Erwachsene. Das Technorama. Hier lässt sich locker ein ganzer Tag verbringen und niemand wird sich langweilen. Übernachtet haben wir in St. Gallen in der Militärkantine.
Zweite Etappe: Chocolarium, Säntis, Heididorf
Im Chocolarium erfahrt ihr jede Menge über den süßen Glücklichmacher und eure Kids können am Ende Schokolade selber machen. Wer Zeit und gutes Wetter hat, kann auf den Säntis fahren und einen herrlichen Alpenblick genießen. Im Heididorf lernen die Kids das frühere, durchaus harte Leben der Kinder von damals kennen und können alles über Heidi erfahren. Im Heididorf findet ihr außerdem die kleinste Poststation der Schweiz.



Dritte Etappe: Viamalaschlucht, San Bernadino Pass bis Locarno
Die Viamalaschlucht ist klein, aber fein. Kann man sich zugegebener Maßen aber auch sparen. Der San Bernadino Pass hingegen ist der Knaller und macht fahrtechnisch großen Spaß. Eine lange Pause am Lago Moesola solltet ihr mit Kindern unbedingt einplanen, es ist ein Kletterparadies! Die Szenerie ist großartig. Ihr könnt einen weiteren Zwischenstop in Bellinzona anstreben, wenn die Zeit es zulässt. Die Altstadt von Bellinzona ist ein wahres Juwel. Besonders sehenswert sind die Piazza Nosetto, das Rathaus und die zahlreichen Kirchen und Palazzi. Oder ihr fahrt weiter nach Locarno, streift durch die schöne Innenstadt, esst ein Eis und chillt am See. Italienflair ist hier 100%! Übernachtet haben wir hier auf einem Campingplatz im Tinyhouse in Olivone, das Highlight der ganzen Reise fürs Kind, wie sie sagt.







Vierte Etappe: Gotthartpass – Furkapass – Aletschgletscher
Ich hatte einen Plan, DAS HOTEL wollte ich natürlich auch sehen. Dafür habe ich einen kleinen Umweg über den Furkapass gemacht und bin auch einen Teil des längsten Straßendenkmals der Schweiz abgefahren, dafür habe ich den Gotthartpass dann verlassen. Es hat sich alles gelohnt. Für die Augen die ungefähr großartigste Strecke, die ihr abfahren könnt. Getoppt wurde das dann nur noch durch den Besuch des Aletschgletschers, einfach ein immens großartiges Erlebnis, diesen Gletscher aus nächster Nähe zu sehen.





Fünfte Etappe: Grimentz
Weiter nach Grimentz. Wir verlassen hierfür die Route, das würde man auch tun, wollte man nach Zermatt. Haben wir uns aber aufgrund des Wetters gespart, wir hätten das Matterhorn nicht gesehen. Grimentz war wettertechnisch anfangs ähnlich – es goss in Strömen, aber allein das Dörflein ist absolut sehenswert. Eng gebaute Häuser, eins niedlicher als das andere. Später geht es mit der Gondel rauf (die hat einen Glasboden) und ihr habt große Chancen auf Steinböcke (wenn es nicht bewölkt ist). Oben am Berg wieder wie fast überall: Irrsinnspanorama.



Sechste Etappe: Sion
Sion ist die Hauptstadt des Kantons Wallis und liegt im sonnigen Rhonetal. Die Stadt ist bekannt für ihre zwei Burgen, Valère und Tourbillon, die hoch über der Altstadt auf Hügeln thronen. Mit ihren engen Gassen, historischen Gebäuden und den umliegenden Weinbergen hat Sion einen ganz besonderen Charme. Mehr über Sion habe ich hier schon geschrieben.

Siebte Etappe: Glacier 3000
Der nächste Gletscher wartet. Absolutes Highlight für Kinder: die Sommerrodelbahn. Ich gebe zu, finde sie etwas teuer für diese sehr kurze Strecke, aber Kind hat’s geliebt!
Sonst könnt ihr da oben noch wandern und natürlich über eine Hängebrücke laufen für ein wenig Nervenkitzel. Mindestens einen halben Tag plus Anfahrt einplanen. Und auf Sonne hoffen. Dann wird es schon ganz schön toll.


Achte Etappe: Château-d’Oex
Hier gibt es viel zu erleben und ihr könntet gleich mehrere Übernachtungen einplanen. Zum einen findet ihr ein absolut niedliches Ballonmuseum vor Ort, in dem sich alles um die Vergangenheit und Zukunft der Ballonfahrt dreht, außerdem könnt ihr euch etwas über die hohe Kunst des Schweizer Scherenschnitts ansehen. Jedes Jahr im Januar/Februar findet übrigens ein internationales Ballonfestival statt!

Neunte Etappe: Gruyéres – Moléson
Meine liebste Station! Gruyéres als Städtchen ist schon wirklich schön, mit Burg, HR Giger und einer wirklich schönen kleinen Innenstadt. Nicht weit ist aber auch die Käserei mit dem besten Käse der Welt (unbedingt so früh morgens wie möglich hinfahren!) und Cailler, meine liebste Schokoladenmarke aus der Schweiz. Und einen Tag solltet ihr mindestens für den Ausflugsberg Moléson einplanen. Hier gibt es alles: Minigolf, Sommerrodelbahn, Wanderrouten, Hüpfburgen und natürlich gute Aussichten.








Zehnte Etappe: Thunersee – Bern
Von Gruyéres sind es knapp 66 km bis zum Thunersee, den haben wir dann auf unserem Weg nach Bern einmal umrundet mit kurzen Pausen in Spiez, Interlaken und Thun. In Interlaken könnt ihr das Jungfraujoch sehr gut sehen – und ganz viele andere Berge natürlich auch schon wieder. Bern ist die Hauptstadt der Schweiz und hat eine wirklich schöne Innenstadt. Besonders beeindruckend sind der Zytglogge-Turm und das Bundeshaus, die der Stadt ein ganz besonderes Flair geben. Von Bern kommt ihr übrigens in 30 Minuten zur Schaukäserei von Emmentaler. Auch hier lernt ihr wieder jede Menge über das Schweizer Gold.

Von Bern könnt ihr noch über Basel zurückfahren und dort noch einen kleinen Stadtbesuch einplanen. Mit dem Wissen übrigens, dass ihr auch auf dieser langen Tour längst nicht alles gesehen habt.
Tipps und Infos rund um einen Roadtrip auf der Grand Tour of Switzerland
Hier findest du ein paar Tipps und wichtige Infos für deinen Schweiz Roadtrip.
Unsere Tour durch die Schweiz betrug etwa 1000 km zuzüglich der Anreise aus Berlin.
Die Route
Die Route ist überall in der Schweiz gut ausgeschildert. Es gibt aber natürlich auch eine tolle GrandTourApp, die euch auch alle Fotopoints, Highlights und Routen aufzeigt. Ihr könnt sie genau so planen, wie ihr euch das vorstellt. Die Grand Tour lässt sich mit Auto oder Motorrad gut abfahren, ebenso mit einem Campervan. Für den Zug gibt es übrigens auch eine Grand Train Tour!

Die Snackbox
Ihr könnt euch sogar an bestimmten „Points“ die Grand Tour Snackbox kaufen, aber das ist eher etwas für wirkliche Liebhaber. Ihr kauft die Box an einer der Verkaufsstellen und könnt sie euch dann immer wieder für 20 Franken befüllen lassen. Die Schweiz ist teuer, deswegen sieht die Box leider niemals so aus, wie auf dem Werbefoto. Wir haben z.B. für 20 Franken eine 0,3 Flasche gekriegt, eine Wurst, einen Apfel und einen Keks.

Beste Reisezeit für die Grand Tour of Switzerland
Gute Reisezeit ist ab Mai, wenn die meisten Pässe auch wieder befahrbar sind. Das solltet ihr im Vorhinein natürlich checken. Dafür gibt es übrigens eine sehr praktische Seite: alpen-pässe.ch
In der Schweiz herrscht Vignettenpflicht
In der Schweiz braucht ihr eine Vignette. Entweder kaufst du sie in Deutschland z.B. beim ADAC oder online über das Portal. Sie kostet 40 CHF – bitte kauft sie nicht irgendwo für mehr Geld (Abzocke). https://via.admin.ch/shop/dashboard
In der Schweiz bloß nicht zu schnell
Ich empfehle euch, in der Schweiz mit Tempomat zu fahren. Denn schon 3km zu schnell sind sehr teuer. Dafür fahrt ihr enorm Sprit sparend.
Planung ist alles
Solltet ihr im Sommer, insbesondere in der Ferienzeit und Hochsaison fahren, rate ich euch, die Unterkünfte schon so früh wie möglich zu buchen. Besonders im Tessin kann es dann nämlich schon mal eng werden mit Unterkünften.
Solltet ihr mit dem Campervan unterwegs sein, empfehle ich euch hier Park4Night und natürlich die rechtzeitige Buchung diverser Campingplätze. Eine Mischung aus mal irgendwo stehen (wo man es darf!) und Campingplatz ist sicher die schönste Variante.
Na? Auch Lust bekommen? Dann viel Spaß bei der Planung.




