Ich blogge inzwischen seit fast 25 Jahren (dieses Blog wird nächstes Jahr 20) und ich habe 2015 (isdaslangher) mal diesen Beitrag über Kinderfotos im Netz geschrieben, tatsächlich fast heute auf den Tag genau vor 11 Jahren. Damals war meine Meinung noch eine etwas andere und zu einem gewissen Teil trage ich das immer noch mit: Kinder gehören für mich dazu.
Was sich allerdings geändert hat: während es früher das ein oder andere frontale Foto meiner heute erwachsenen Tochter zu sehen gab, gibt es das heute nicht mehr. Inzwischen sehe ich es ähnlich: Lieber keine Kinderfotos ins Netz – und wenn doch, dann wenigstens ohne Gesicht. Das ist in meiner Bubble heute fast normal, ich sehe selten noch Kindergesichter im Netz, weiß aber, dass es immer noch passiert und kriege vor allem mit, wie oft Kinderfotos vermeintlich privat im Status von Whatsapp geteilt werden und dann oftmals noch mit weiteren Kindern, die gar nicht die eigenen sind (und I mean, wie viele von euch stellen ein, wer den Status eigentlich sehen kann).
Mein Leben fand lange zu einem Großteil im Internet statt. Wenn auch oberflächlich, denn selten drehte es sich um irgendwas privates, meist ging es eher um Erlebnisse und/oder Reisen. Heute passiert nicht mal mehr das. Reisen ja, Privates kaum noch. Mir fehlt die Zeit. Und auch die Lust. In den letzten 10 Jahren hat sich „Internetpräsenz“ stark gewandelt und ich gebe zu: ich habe keine Lust, das mitzutragen. Ich will mich nicht selbst verkaufen müssen für Reichweite. Ich will keine Codes ins Netz stellen und ich will keine Dinge machen, die ich nicht vertrete. Aber zurück zum Thema.
Kinderfotos im Netz: Warum Eltern zweimal überlegen sollten
Kinderfotos im Internet zu teilen, oft liebevoll gemeint, ist also längst Alltag. Ob auf Instagram, WhatsApp oder Facebook: Viele Eltern möchten besondere Momente festhalten und mit Familie oder Freunden teilen. Doch genau dieses sogenannte „Sharenting“ birgt erhebliche Risiken für Kinder. Wer heute Bilder postet, entscheidet oft unbewusst über die digitale Zukunft seines Kindes.
Wie verbreitet ist „Sharenting“?
Die Zahlen zeigen, wie normal das Teilen von Kinderfotos geworden ist: Laut einer Bitkom-Studie haben bereits 41 % der Eltern Fotos ihrer Kinder in sozialen Netzwerken veröffentlicht.
Eine andere Untersuchung kommt sogar zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte aller Eltern Bilder ihrer Kinder online teilt.
Gleichzeitig haben Kinder selbst meist kaum Einfluss darauf: Sie „haben keine Kontrolle über die Verbreitung ihrer persönlichen Informationen durch ihre Eltern“.
Risiko 1: Verlust der Privatsphäre
Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre – auch im digitalen Raum. Doch jedes gepostete Bild kann dauerhaft im Internet bleiben. Selbst wenn Eltern Inhalte löschen, können diese bereits gespeichert, geteilt oder weiterverbreitet worden sein. Experten warnen, dass durch Sharenting Persönlichkeitsrechte verletzt und die freie Entwicklung von Kindern beeinträchtigt werden können.
Besonders problematisch: Kinder können später kaum selbst entscheiden, wie sie im Netz dargestellt werden. Viele Jugendliche berichten sogar, dass sie sich durch alte Kinderfotos bloßgestellt fühlen. Für mich war das schon immer ein wichtiges Thema und für Kinderfotos gab es bei mir strikte Regeln (nicht schlafend, nicht nackig, nichts peinliches).
Risiko 2: Missbrauch von Bildern
Ein oft unterschätztes Thema ist der Missbrauch von Kinderfotos. Laut Experten können selbst harmlose Bilder zweckentfremdet werden, etwa durch Bearbeitung oder Verwendung in problematischen Kontexten. Die Gefahr reicht von Cybermobbing bis hin zu schwerwiegenden Straftaten wie Cyber-Grooming. Auch künstliche Intelligenz kann Bilder manipulieren und in völlig neue, teils verstörende Zusammenhänge setzen. Für mich heute der Hauptgrund, keine Gesichter mehr zu zeigen und auch generell weniger zu posten. Viele Bilder habe ich inzwischen gelöscht.
Risiko 3: Digitale Identität ohne Mitbestimmung
Jedes Foto im Netz trägt zur digitalen Identität eines Kindes bei, lange bevor es selbst entscheiden kann. Mein erstes Kind wurde hier nie mit Namen genannt, zusätzlich hat sie im echten Leben einen anderen Namen als ich – ihr Blatt ist weiterhin sauber. Für meine jüngere gilt das nur halb, sie heißt halt so wie ich.
Studien zeigen zudem, dass viele Eltern ihre Kinder nicht einmal um Erlaubnis fragen, bevor sie Bilder posten. Habe ich anfangs auch nicht, dann habe ich sie mit einbezogen. Und im Teenageralter haben wir aufgehört. Ich finde, das ist ein sehr persönlicher, privater und wichtiger Lebensabschnitt.
Das Problem iste dann eben oft: Diese digitale Spur begleitet Kinder oft ein Leben lang. Bei Bewerbungen, im sozialen Umfeld oder in der Öffentlichkeit.
2015 habe ich geschrieben: Meine Kinder entscheiden übrigens durchaus mit, was es an Fotos hier zu sehen gibt, weiterhin auch der Mann. Auch wenn die kleine Chefin die Tragweite eines Fotos im Internet mit Sicherheit noch nicht gesamt erfassen kann, beziehe ich sie mit ein.
Warum Zurückhaltung besser ist
Das Teilen von Kinderfotos ist nicht grundsätzlich verboten und ich finde auch, dass es in Teilen immer noch dazugehört, Kinder sollten einfach nicht aus dem öffentlichen Raum verschwinden, aber es erfordert Verantwortungsbewusstsein. Fachstellen betonen, dass es vor allem um Sensibilisierung geht: Eltern sollten sich bewusst machen, welche Auswirkungen ein Post haben kann!
Eine einfache Leitfrage hilft:
Würde ich dieses Foto auch Fremden in einem Fotoalbum zeigen?
Wenn die Antwort „nein“ ist, gehört es nicht ins Internet. Und nun ja: wer würde ein privates Fotoalbum einem Fremden zeigen? könnte die nächste Frage sein….
Weniger ist also mehr
Kinderfotos im Netz sind schnell gepostet, aber kaum zurückzuholen. Die Risiken reichen von Datenschutzproblemen über Identitätsfragen bis hin zu Missbrauch. Wer sein Kind schützen möchte, sollte deshalb sparsam mit Bildern umgehen, Privatsphäre-Einstellungen nutzen und – wenn möglich – die Zustimmung des Kindes einholen.
Denn am Ende gilt:
Die digitale Kindheit sollte genauso geschützt werden wie die reale.



