Wie ich in Schweden zum Outdoorjunkie wurde

35 Jahre meines Lebens habe ich Schweden nie betreten. Und dann schaffe ich es drei Mal innerhalb von 12 Monaten! Und mir ist inzwischen klar, warum die Schweden ganz genau wissen, wie Outdoormode in freier Natur funktioniert. Und warum das in Schweden tatsächlich nötig ist. Der Sommer ist kurz und knackig, aber trotzdem kann es kühl werden. Mit Pech regnet es auch im Sommer ein paar Tage durch, wie z.B. in der Woche, in der wir vor Ort waren. Was darf also nicht fehlen? Klar: Die richtige Outdoorbekleidung für Kinder (und Erwachsene).

Im letzten Jahr, als wir Småland besuchten, hatten wir Gummistiefel von Viking dabei, Fließjacken von Reima und Regenjacke und Outdoorhose von Isbjörn of Sweden. Sämtliche Taschen, Rucksäcke und Koffer stammen von Thule. Mir war vorher gar nicht bewusst, dass Thule mehr macht, als Gepäckboxen für Autos. Aber dafür gibt’s noch einen extra Beitrag!

Im Norden von Schweden liegt Schnee

Åre ist das älteste Skigebiet Schwedens und erst am 1. Mai 2017 ist die diesjährige Skisaison auch dort zu Ende gegangen. Wir waren bereits Anfang April vor Ort und hatten: Schneeregen. Das wohl übelste Wetter, dass man sich vorstellen kann – aber das beste Wetter um Outdoorbekleidung für Kinder wirklich auf den Zahn zu fühlen. Taugen die Schuhe was sie versprechen, bleiben die Hosen trocken, die Füße warm und die Köpfe geschützt? Das wird in jedem Jahr auf der OAS kids – der Outdoor Academy of Sweden geprüft. Und zwar mehrmals im Jahr – für Erwachsene und Kinder – für Sommer und Winter.

Die Outdoor Academy of Sweden wird von der Scandinavian Outdoor Group, VisitSweden und der jeweiligen Region organisiert und unterstützt. Die OAS ist eine Art “Werbeveranstaltung“, hier können Touren-Veranstalter, Presse, und Retailer Skandinaviens Aktivitäten und Produkte für den Outdoorbereich testen. Die Scandinavian Outdoor Group ist ein Verbund verschiedener Outdoormarken aus Skandinavien – denn zusammen erreicht man mehr.

Ich war mit vielen verschiedenen Menschen vor Ort, Ladenbesitzern, Bloggern und Journalisten aus verschiedensten Ländern, die jeweils eines ihrer Kinder mitbrachten und die wir in vier Tagen im Schnee ausgesetzt haben. Das Programm war knackevoll und abends sind sämtliche Teilnehmer völlig fertig in die Federn gefallen. Fertig. Aber glücklich. Denn was gibt es Schöneres, als Rentiere in Schweden zu streicheln, mit dem Hundeschlitten durch die Natur zu rasen oder zu lernen, wie man Feuer macht – für den Fall, dass wir irgendwann mal verloren gehen.

Mit der richtigen Klamotte ist das Wetter wurscht

Die Kinder hatten in Åre vier Tage durchgehend Spaß und das Programm bestand hauptsächlich aus „Irgendwas mit Schnee“. Im Schnee wälzen, im Schnee versinken, im Schnee knien, Schneemänner bauen, und so weiter und so fort – alles, was Klamotten und Schuhe dazu bringt nass und kalt zu werden. Das Programm war so vollgestopft, dass mir die vier Tage wie eine Woche vorkamen. Und das meine ich nicht negativ – denn auch wenn ich nichts gegen Meer, Strand und Sonne habe, finde ich einen Trip, bei dem ich so viel mitnehmen kann um so vieles besser. Und ich sag mal so: Würde es nach mir gehen, wäre das Jahr noch voller Wandertrips, die richtige Ausrüstung kenne ich inzwischen – denn wir durften so viel davon ausprobieren!

Mit der richtigen Outdoormode macht spielen im Schnee jede Menge Spaß – ohne dass die Kinder frieren. (Mützen von Isbjörn of Sweden)

Einfach mal draussen Essen. Im Zweifel auch Schnee….(schönste Jacke! Von Reima mit Reima GO)
Unerlässlich: Festes Schuhwerk für warme Füße! (Schuhe von Viking)

Vier Tage Schnee und Regen (und mal auch ein bisschen Sonne, die wussten, das brauche ich für die Fotos…) und mein Kind hat nicht gefroren. Ab und an gab es abends nasse Füße, das lag aber nicht an den Schuhen, sondern daran, dass den Kindern zwischendurch egal war, ob die Hose hochrutscht und der Schnee direkt oben in den Schuh reinfliegen kann. Was muss, das muss.

Der Outdoorjunkie in mir

Was ich gelernt habe? Mit einem Feuerstein Feuer machen. Das ich zukünftig entweder immer alkoholische Brillentücher dabei habe oder Tampons, weil das Holz dann schneller brennt. Und natürlich ein Taschenmesser, für die Birkenrinde, die ich vorsichtig vom Baum abschneide (dann wächst sie auch wieder nach).

Im Iglu schlafen ist ebenfalls für mich eine völlig neue Erfahrung. Andere heiraten sogar auf diese Weise und ich kann nur sagen: Klingt romantisch, aber ob in der Nacht was läuft…(Ich habe mir aber auch sagen lassen, WENN was läuft, dann war die Party nicht gut). Alles in allem ist eine Nacht im Iglu was für Liebhaber. Und wer keine trockenen Klamotten hat, hat Pech gehabt, denn im Minus Vier kalten Iglu trocknen die auch nicht über Nacht. Anyway: Wir hatten trockene Kleidung und ich habe nicht gefroren sondern sogar sehr, sehr gut geschlafen – was neben dem perfekten Schlafumfeld wohl auch an der Stille + Müdigkeit lag. Einzig: Eine Mütze für den Kopf schadet nichts, denn der kühlt durchaus ganz schön runter.

Den Rest eines jeden Tages verbrachten wir draussen. Auf Schneeschuhen. Im Wald. Auf der Skipiste. Beim Outdoorgrillen. Lassowerfen. Eisangeln. Skidoo fahren. Und wandern. Es war keinen Moment langweilig.
Und Schwedens Landschaft spricht sowieso für sich. Die Weite, die Einsamkeit, das alles bringt einen so runter und lässt einen den Lärm und die Geschwindigkeit von Städten vergessen.

Hier sind die Highlights Elche, die vor einem über die Straße laufen (eine Elchkuh mit Jungem…da sitzt du „schau! schau! schau!“ rufend im Auto und schnappst nach Luft, hast gleichzeitig Gänsehaut und sämtliche Härchen drehen sich nach oben – weil: Wahnsinn. Ein Elch! Einfach so tappst er da über die Straße! Und ich so: Verliebt.

Eisangeln mit Kindern bewirkt Wunder: Hochkonzentriert wird gefischt!

Nach vier Tagen war der Zauber leider schon wieder vorbei. Und ich bin – wie bei allen guten Reisen – ein bisschen wehmütig nach Hause gefahren. Denn wir städtischen Stubenhocker haben fast vier Tage kaum ein Dach über dem Kopf gesehen. Keine Smartphones gebraucht und sowieso waren unsere Hände voller Schnee, Eisangeln, Schraubendrehern oder Kinderhänden, die immer mal wieder kurz geguckt haben, ob die Mama noch da ist (gebraucht wurden wir nicht wirklich).

Abends hat meine Tochter zudem dann ihre gastgeberischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Sämtliche Kinder haben sich in meinem Zimmer befunden. Besonders gut, wenn beim Abendessen auf einmal Ruhe herrscht, weil gar keine Kinder mehr da sind. Da haben sich die Kleinen an die Großen gehängt und die Großen sich um die Kleinen gekümmert. Angezogen, ausgezogen, rumgetragen, bespielt und bespaßt.

Deswegen kann ich nur sagen: Zieht eure Kinder warm bzw. ordentlich an und schmeißt sie einfach raus. Regen? So ziemlich egal!

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dani

dani

Dani lebt und arbeitet in Berlin und schreibt seit neun (!) Jahren fleissig an butterflyfish.

1 comment

  1. Schöner Eindrücke von dem Event, danke für den kurzweiligen Bericht. Der nordicfamily Artikel erscheint wohl erst, wenn es draußen wieder etwas kälter wird. Aber wahrscheinlich wird es eine ganze Serie werden, denn wir haben ja soviel erlebt…. schreit nach Wiederholung. Viele Grüße von euren Reisebegleitern Geertje und Morten von der nordicfamily

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