projekt zuckerfrei

Projekt Zuckerfrei

21 Tage zuckerfrei! Das haben Leo von minimenschlein.de und ich uns für Januar vorgenommen. Klingt schwierig und für den ein oder anderen vielleicht sogar bekloppt, ist aber zugegeben so auch nicht ganz richtig. Damit das Gehirn funktioniert braucht es nämlich Zucker – den holen hoir uns natürlich.

Wem jetzt vielleicht als erstes folgender Gedanke durch den Kopf geht: Aha. Also auf Süßigkeiten verzichten? …ging mir auch so. Und naja, werd ich schon schaffen, es ist ja nur für einen begrenzten Zeitraum. Allerdings geht es nicht nur um Süßigkeiten. Zucker gehört längst in allen Bereichen zu unserem vermeintlich ach so gesunden Essens-Alltag. Grundsätzlich lässt sich über Essen so viel streiten, wie in kaum einer anderen Branche…ich habe das auch in den letzten Wochen innerhalb dieser Familie schon geschafft ;)

Du bist was du isst

Wer startet morgens mit einem ordentlichen Vollkornmüsli (21,4 g Zucker auf 100g), im Zweifel fertig gekauft. Oder eure Kinder, vielleicht sind sie wie meine und fangen lieber mit Crunchy Nut (35 g Zucker auf 100g) oder einem Nutellabrötchen (in einem Glas Nutella stecken 78 Würfelzucker! 60g Zucker auf 100g! Ich werde nie wieder mit dem Löffel Nutella pur fressen – also naja, zumindest kein ganzes mehr…) an. Dazu ein Kaffee oder Tee mit Milch und … wie viele Löffel Zucker sind denn in eurer Tasse?

Das Pausenbrot, was ist drauf? Meine Tochter ist beispielsweise großer Fan von Pumpernickel. Pumpernickel haben aber mehr Zucker intus als andere Vollkornbrote – nämlich 6 g Zucker auf 100 g. Also Pumpernickel mit Leberwurst (immerhin nur knapp 2 g Zucker auf 100 g) in die Box, dann vielleicht noch ein Apfel (ein mittelgroßer Apfel hat etwa 13 g Zucker) und ein Getränk – glücklicherweise habe ich ein Wasserkind. Aber der Große nimmt jeden Schultag zwei Fruchttiger zu sich (6,5 g Zucker auf 100g – Damit komme ich bei zwei Fruchttigern auf knapp 65 g Zucker! Und je nach Sorte lässt sich das noch steigern.) – und zusätzlich Obst in der Box.

fruchttiger zucker

Soll ich noch weiter machen? Ich bin ja noch nicht mal beim Mittagessen. Der von der WHO empfohlene Tagesbedarf an freiem Zucker liegt im idealen Fall bei 5 Teelöffeln, das sind etwa 25 Gramm (HAHAHHAHAHA!).

Wenn also meine Kinder gefrühstückt und das Pausenbrot samt Getränke vernichtet haben liegt eines davon auf jeden Fall schon weit darüber, das andere ist nicht weit entfernt. Und das ganz ohne Mittagessen. Und abends? Es darf da auch mal schnell gehen. Und was geht schnell: Nudeln! Essen wir auch gern. Schnitzel mit Kartoffeln. Pfannkuchen. Alles nicht unbedingt sonderlich dezent auf den Abend.

Noch deutlicher hat sich mein Gewicht aber verändert, als eigentlich so gar keine Zeit und Lust da war, normal zu essen. Drei Tage Hamburg bedeutete auch: Drei Tage Scheiße fressen. Sorry, dass ich da ausdrucksmäßig so rabiat bin, aber Montags erst mal mit Franzbrötchen und Kaffee mit Zucker starten, dann Mittags in der Kantine irgendwas mit Fett und Soße und Nudeln und Fleisch und im Zweifel nachmittags noch ein-, zweimal in die Schokosnackbox gelangt – je nach Laune. Und abends? Für mich alleine kochen?! Bloß nicht. Ich hab in der Schanze gewohnt, es war nicht nötig zu kochen. Direkt gegenüber habe ich zwischen Burgerladen und Asiate gewechselt. Ich kannte irgendwann sämtliche Reis- und Nudelgerichte und die Wirtin meinen Vornamen…Das Ende vom Lied: 10 Kilo plus in 12 Monaten.

Aber ich wollte ja ganz woanders hin…

Zucker gehört halt dazu

Ich bin davon überzeugt, dass bei vielen Kindern bereits nach dem Frühstück der von der WHO empfohlene tägliche Zuckerkonsum von sechs Teelöffeln längst erreicht ist.

apfel zuckerwürfel

Wer von uns hat sich – oder die Kiddos – nicht schon mal mit einem Stück (oder einer Tafel) Schokolade belohnt, war mit Ben und Jerry vor der Glotze extrem gut befreundet oder hat sich den ein oder anderen Schokoriegel auf der langen Autofahrt gegönnt oder die Packung Gummibärchen oder na gut, den gesunden Müsliriegel.

Der vermeintlich gesunde Müsliriegel (steht ja schließlich drauf) kann allerdings sehr wohl mehr Zucker enthalten als eine Tafel Schokolade. Schon mal auf die Rückseite eines fett reduzierten Joghurts geguckt? Oder einem Smoothie!? Oder die Rückseiten von Müslis verglichen in denen die „um 30% zuckerreduzierten“ Müslis mit lächerlichen 0,3 Gramm vom normalen Zucker-Müsli unterscheiden…

Unser Hirn braucht Zucker

Das dürfen wir nicht vergessen. Natürlich könnten wir ohne Zucker nicht leben.
Denn gewisse von uns gegessene Nahrungsmittel werden im Körper gespalten und zu Traubenzucker. Den braucht unser Gehirn! Uns geht es mit mit diesem Projekt auch nicht darum, euch umzuerziehen (naja, vielleicht ja doch), sondern aufzuzeigen, was Zucker im Körper anrichten kann und was passiert eigentlich, wenn ich weniger Zucker zu mir nehme.

projekt zuckerfrei

Warum ich das Projekt zuckerfrei durchziehe

Als Leo und ich Ende letzten Jahres auf das Thema Zucker kamen haben wir schlicht beschlossen: Lass uns 21 Tage ohne Zucker durchziehen – bzw. es versuchen. Klar, warum nicht, vielleicht verliere ich gleich noch ein paar Kilo – war mein erster Gedanke. Dann fingen wir an uns einzulesen – inzwischen habe ich viel mehr Gründe, aus denen ich dieses Projekt durchziehen möchte.

1. Das Gewicht
Klar, ein paar Kilo weniger wären nicht schlecht. Und wie viele Jahre hänge ich hier schon herum und versuche Kilos los zu werden – aber nichts funktioniert.

2. Das Hautbild
Ich habe extrem empfindliche Kopfhaut. Seit Jahren befinde ich mich wegen ihr immer mal wieder in Behandlung bei unterschiedlichsten Hautärzten, Linderung gibt es aber nur noch mit Cortison. Ob sich was verändert, wenn ich meine Ernährung ändere?
Damon Gameau, der Autor des Buchs Voll verzuckert – The Sugar Book schrieb, sein Hautbild ohne Zucker wäre deutlich besser. Und auch hier zu Hause sehen wir eigentlich sehr schnell, was passiert, wenn wir zu viel Zucker (in Form von Schokoladentafeln) essen: Pickel auf der Haut.

3. Weniger Fressanfälle
Ich erhoffe mir wirklich weniger davon. Bisher läuft es nach dem immer gleichen Schema: Da liegt eine Tafel Schokolade? Gut, ich esse sie. Ganz. Nicht nur ein Stück, sondern gleich die ganze Tafel. Keine Schokolade im Haus? Dann her mit der Coke. Oder den Chips. Es ist mir ein leichtes gewesen, eine gesamte Packung Ben & Jerrys oder Hägen Dasz aufzuessen.

4. Die Gesundheit
Damon Gameau hat es mir mit seinem eigenen Körper und seinem Projekt: Voll verzuckert vor Augen geführt. Denn er hat das Projekt schlicht umgedreht: Lebte er selbst schon viele Jahre ohne zugesetzten Zucker, beschloss er, sich 60 Tage lang an den Zuckerkonsum eines durchschnittlichen Australiers zu halten: 40 TL Zucker am Tag in Form von so genannten gesunden Lebensmitteln.
Wer dieses Buch liest (oder sich einfach den Film ansieht), will definitiv etwas an seiner Ernährung ändern.

5. Wissen aufpolieren
Nicht zuletzt habe ich in den letzten Monaten wohl mehr über Ernährung gelernt, als in den ersten 35 Jahren meines Lebens. Natürlich wird immer noch viel über Zucker gestritten und was macht denn nun eigentlich wirklich fett: Zucker oder Fett oder beides? Prinzipiell denke ich: Grundsätzlich schlechte Ernährung – aber so einfach ist es halt auch nicht. Wir sind keine Experten, das ist ganz wichtig, aber ich werde in den nächsten Wochen auf jeden Fall den ein oder anderen Experten suchen und ihn zwei, drei Dinge fragen, die mir noch unklar sind – und das sind viele Dinge! Je mehr ich lese, desto mehr Fragen kommen auf. Und nichts für ungut, wer achtet schon auf den Zuckergehalt? Meistens gucken wir doch nur auf die Kcal und nicht auf den Zucker.

Zucker ist überall

Und ein Großteil steckt überhaupt nicht in Süßigkeiten. Er steckt in Getränken, in Brot und Brötchen und in Milchprodukten. Wer ein Glas Apfelsaft trinkt, schluckt bei 200ml (also einem Glas) 21 g Zucker mit hinunter – das ist fast genau so viel wie bei einer Cola. Und wer sich viel von Fertiggerichten ernährt….nun ja, der ist halt selber schuld.

Es geht schon bei Kindern los, selbst wenn immer „nur natürlicher Zucker“ oder „gesund“ oder „natürlich“ drauf steht…Zucker ist und bleibt Zucker und die Darreichungsform ist egal. So züchten wir uns auf jeden Fall schon sehr früh die nächste zuckersüchtige Generation heran.

Und nicht nur in Süßigkeiten ist Zucker: Fleischsalat ist gezuckert, Schinken, Salatdressings, Müslis, Pizzen, Rotkohl. Der Veggie-Burger von McD hat 8,2 g Zucker und damit mehr als ein Royal TS). Die Liste lässt sich ewig verlängern.

fett-joghurt

Bevor das Projekt Zuckerfrei startet

Wir haben viel gelesen und recherchiert. Bücher, online, Filme, alles was einem auf dem Weg hilfreich erscheint. Und im Anschluss baut man sich sein eigenes Gerüst – so wie wir das getan haben. Wir freuen uns natürlich sehr drüber, wenn ihr euch uns anschließt. So ist der Austausch etwas größer.

Meine ersten drei Empfehlungen, die den Start für eine zuckerfreie Ernährung erleichtern:

Das wohl bekannteste und auch eines der sympathischsten Werke stammt von Sarah Wilson (Goodbye Zucker). In ihrem Buch beschreibt sie den Beginn eines Experiments aus dem am Ende drei zuckerfreie Jahre wurden. In ihrem Buch verrät sie Tipps und Tricks für den Start, motiviert, wenn es mal nicht so rund läuft und klar, Rezepte dürfen auch nicht fehlen. Es ist wenig wissenschaftlich und daher so sympathisch. Einfach machen ist die Devise.

Gekauft habe ich mir dann noch Voll verzuckert – The Sugar Book: Wie uns die Lebensmittelindustrie dick macht und für dumm verkauft.
Es ist von Damon Gameau und dreht das Experiment quasi um: 60 Tage lang muss er sich an den durchschnittlichen Zuckerkonsum eines Australiers halten: 40 TL Zucker pro Tag – ausschließlich in Form so genannter gesunder Lebensmittel (Müsli, fettarmer Joghurt, Säfte). Sein Experiment beschreibt er sehr aufschlussreich in seinem Buch und bringt noch viel mehr Expertenwissen mit, denn sein Experiment wird von mehreren Ärzten begleitet. Das Buch existiert übrigens auch als Film. Ach so: In Deutschland liegt der durchschnittliche Zuckerverbrauch pro Tag übrigens bei ungefähr 24 TL.

Als dritte Empfehlung (für’s erste, was ich sonst noch alles gelesen habe, stelle ich euch in den nächsten 21 Tagen vor) habe ich noch: Zucker – der heimliche Killer. Klingt drastisch, ist es auch. Das Buch klärt uns über den Zucker auf, macht uns auf den Suchtfaktor aufmerksam (oh. ja.) und zeigt die Gesichter der „Zuckerkrankheit“.

Und was esst ihr dann so in eurer zuckerfreien Zeit?

Anfangs wussten wir selbst nicht genau, was auf uns zukommt. Möglichkeiten vom Zucker loszukommen gibt es viele und mir ist von Anfang an klar: Von 100 auf 0 werde ich niemals durchhalten. Also: Kleine Ziele stecken, die erste Woche dazu nutzen, um den Zucker nach und nach komplett zu verbannen. Sehr hilfreich ist an dieser Stelle das Buch von Sarah Wilson, die gute Einstiegshilfen bietet. Sie empfiehlt allerdings auch, am Anfang (und nur am Anfang) auch auf Obst zu verzichten. Bei mir zu Hause hat das zu schwerwiegenden Diskussionen geführt, ohne Obst wäre es einseitig und ungesund. Als auch Leo sagte, Obst wäre ihr wichtig, habe ich entschieden: Alles klar, Obst – in Maßen. Denn egal ob Fruktose oder Glukose: Zucker bleibt verdammt noch mal Zucker!

Auch bei Damon Gameau finden sich Ideen und Rezepte für die erste Woche und den Einstieg in die zuckerfreie Zeit – deswegen werdet ihr bei mir in der ersten Woche ein paar zuckerfreie Rezepte finden, in denen aber auch „zuckrige“ Lebensmittel verwertet werden, wie z.B. Tomaten oder Äpfel. Und natürlich solltet ihr auch unbedingt bei minimenschlein.de vorbeischauen.

Letztendlich werden wir viel ausprobieren und selber machen. Brot backen, Suppen herstellen, Gewohnheiten brechen und viel Käse naschen!

Was ich vermissen werde?
Auf jeden Fall m&m und Coke Zero. Ben & Jerry. Glücklicherweise trinke ich sonst auch nur Wasser, daher habe ich zumindest bei Softdrinks ein kleineres Problem. Allerdings kocht mein Kerl Weltbeste Nudeln (egal mit welcher Soße) und ja, das wird auch nicht leicht.

Und was ist mit der Familie?
Die ist raus. Bis zu einem gewissen Grad werde ich unterstützt, aber es gibt Momente, da wird mir klar, wie bescheuert meine Idee zu sein scheint. Bei unserem letzten Einkauf vor meinem Projekt landeten unter anderem viele Schokojogurts, Sixpacks von Apfel- und Orangensaft, Müller Milch und Ofenkäse im Korb. Und das ist nur eine kleine Auswahl.
Ich werde mit Sicherheit versuchen, das ein oder andere Mal abends für alle zu kochen, größtenteils wird es hier aber so ablaufen, dass ich für mich alleine Essen zubereite, während der Rest der Familie normal isst. Ideale Voraussetzungen also.

Ein Leben ohne Zucker. Ist das zu schaffen?

Mein Motto: Zucker ist nicht böse. Aber das Leben ist so viel besser, wenn man drauf verzichtet. Hier findet ihr nach und nach meine Sammlung und natürlich auch die von Leonie. Ausserdem gibt es auch bei uns beiden jede Menge tolle Rezepte für euch. Einfach die Bildchen anklicken und los geht’s:

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dani

Dani lebt und arbeitet in Berlin und schreibt seit neun (!) Jahren fleissig an butterflyfish.