Lilalarmi

Lilalarmi – der monstermäßige Begleiter

Ich bin durchaus offen für allerlei technischen Schnickschnack.
Deswegen habe ich bei „lilalarmi„, dessen Preis bei 49 Euro liegt, auch direkt gesagt: Bitte schicken Sie mir ein Testgerät. Denn das Gerät, das sich als mobiles Benachrichtungssystem sieht, klang erst einmal sehr spannend. Der Plan: Meine Tochter hat diesen kleinen Knipser zukünftig immer in der Hosentasche und gibt mir so z.B. bescheid, dass sie gut dort angekommen ist, wo sie hinwollte oder ruft per Klick um Hilfe, wenn irgendwas nicht stimmt.

Beacons sind derzeit ja ganz groß im Kommen, auf dem Flughafen in San Francisco wurden testweise beispielsweise knapp 300 Beacons als eine Art Blindenleitsystem installiert und in diesem Interview erzählt Stephanie Renda, Mutter von drei Kindern, Geschäftsführerin von match2blue, ausserdem Vorstandsmitglied im Bundesverband Deutsche Startups ein paar spannende Sachen zum Thema.

Ich finde die Idee ganz interessant und glaube auch, dass gerade Beacons unser Leben in Zukunft noch erleichtern werden, aber Luft nach oben ist ja immer.

Der Lilalarmi ist ein kleiner quadratischer Knipser (ein Beacon), den ich meiner Tochter mitgeben kann. Der lilalarmi ist so klein, dass er in jede Hosentasche passt. Wenn sie also irgendwo alleine hinfährt, kann sie mir bei Ankunft mitteilen, dass sie gut an gewünschter Stelle angekommen ist, per Klick (zwei Mal). Sollte unterwegs doch etwas schief laufen, kann sie mich über den lilalarmi ebenfalls anklicken (drei Mal) und ich bekomme in beiden Fällen eine ‚Push-Nachricht‘ auf meine App.lilalarmiDamit das alles funktioniert, muss auf dem Mobiltelefon des Kindes die dazugehörige lilalarmi App installiert und Bluetooth aktiviert sein, der Knipser hinzugefügt und ein paar Notfallkontakte eingetragen (die das Kind dann einlädt) werden. Im Idealfall hilft ein Elternteil bei der Einrichtung. Voraussetzung hierfür: Die Kinder haben – wie meine Tochter – am besten kein Windowstelefon…denn die App funktioniert nur für Android (ab 4.4) und iOS (ab Iphone 4s). Weiterhin müssen alle im Notfallprogramm teilnehmenden Personen die App ebenfalls installieren und sich dort registrieren, um die Benachrichtigungen „Hilfe“ oder „Alles ok“ zu erhalten.

Jetzt sehe ich das aber so:
1. haben unsere Kinder vielleicht nicht unbedingt das neueste Mobiltelefon am Start, sondern eher das etwas ältere, abgelegte der Eltern, im schlechtesten Fall ist da auch noch eher ein älterer Akku drin, den die ständige Bluetoothnutzerei und die App, die dauerhaft im Hintergrund läuft, noch schneller runterrockt.

2. Mal ganz abgesehen davon, dass meine Tochter ihr Telefon eigentlich sowieso nie dabei hat, sie benutzt es – momentan – nur zu Hause um mit dem jeweils nicht anwesenden Elternteil (über W-Lan) zu kommunizieren (es werden viele Smilies und Herzchen ausgetauscht und allerlei Neuigkeiten, wie Fotos von ausgefallenen Zähnen z.B…) und ab nächstem Jahr wohl auch auf der Fahrt mit dem Bus in die Schule. Falls eben doch mal was ist. Aber wenn sie z.B. auf den Spielplatz geht, hat sie nie ein Telefon, Schlüssel und zukünftig noch einen lilalarmi in der Tasche (oder sollte ich mit acht Jahren schon über Handtaschen für Mädchen nachdenken?).
Gleiches gilt übrigens für unseren Großen. Er hat sein Telefon zwar fast immer dabei, aber in der Schule ist es aus, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er direkt nach der Schule erst mal das Telefon einschaltet und Bluetooth aktiviert, damit er auch ja auf Sendung ist.

3. Damit die Daten übertragen werden, ich also meine Push-Nachricht bekomme, benötigt mein Kind einen Datentarif. Jetzt mal ehrlich, jetzt schon? Die meisten werden vermutlich die ersten Jahre eher ein Telefonguthaben besitzen (ausser die Eltern stehen auf horrende App-Storekosten, weil diese App und jene App einfach soooo geil waren – haben die Jungs aus meiner Klasse gesagt), eher weniger den Datentarif (In der Klasse meiner Tochter gibt es sowieso noch niemanden, der ein eigenes Telefon besitzt).

4. bluetooth-Geräte können in der Regel nur mit einem Sender gleichzeitig kommunizieren. Ich gebe zu, ich würde meine bluetooth-Kopfhörer bevorzugen, statt meinen lilalarmi da anzukoppeln.

5. Das Gerät gibt mir keine Meldung, wenn ich drücke. Und nehme ich jetzt mal mein Kind als Beispiel: Sie klickt so lange wir irre, bis endlich was passiert (Geduld gehört nicht zu den Stärken von Kindern und schließlich braucht unser Gehirn eine Belohnung), aber leider passiert auf dem lilalarmi nichts. Kein kleines Display, das mir über ein Grinsegesicht mitteilt, ey, die Nachricht ist angekommen, keine Vibration, nichts. Ich klicke also drei Mal (um Hilfe), auf meiner App wird mir als Pushnachricht folgendes angezeigt: „Alles ok“. Wer also zu schnell klickt, den bestraft das Leben mit „Alles ok“.

Am Ende läuft aber alles auf das Gleiche raus: Ich telefoniere, denn wenn mein Kind um Hilfe klickt, muss ich ja erst mal anrufen. Daher ist mir nicht ganz klar, wozu ich vorher den lilalarmi klicken soll, wenn es bei einem Hilferuf ja letzten Endes doch um Kommunikation geht (ich meine, mal im Ernst, was mache ich als Mutter zuerst, wenn ich einen Hilfeklick meiner Tochter erhalte: ich rufe an. Da kann sie sich den Umweg mit dem Klick auch sparen und mich direkt anrufen?!)

Eine kleine Designmeckerei habe ich dann auch noch: Das Monster des lilalarmi hat auf dem Kopf eine rot leuchtende Lampe, auf dem kleinen Gerät blinkt es aber rot neben dem Bauch. DETAILS! Aber trotzdem!
lilalarmiUnd wie schon beim Gigaset Test heißt es auch hier: Der lilalarmi Knipser und dein Smartphone bleiben bis zu einer Enternung von 50 Meter miteinander verbunden. Ich hab´s diesmal erst gar nicht ausprobiert…hoffe aber das Beste und wir werden das Teil sicher noch mal ein bisschen ausreizen.

Ich bin hin und hergerissen, was ich von lilalarmi halten soll. Die Idee ist interessant und zeigt neue Wege auf und es gibt auch noch nicht wirklich eine gelungene Alternative. Ich weiß nicht, welche Kinder in welchem Alter dieses Teil mit sich rumschleppen sollen, sechsjährige sind definitiv nicht in der Lage ordentlich zu klicken, ich zweifle das sogar noch bei manchen achtjährigen an – ganz abgesehen davon, dass ich meine Kinder nicht mit dem Telefon irgendwo rausschicke. Und ältere Kinder sind durchaus in der Lage über Whatsapp oder per Kurznachricht ihren Status abzuliefern. Oder wir telefonieren einfach mal wieder.

Wie seht ihr das? Ist die Idee sinnvoll? Luft nach oben? Nutzlos?

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dani

dani

Dani lebt und arbeitet in Berlin und schreibt seit neun (!) Jahren fleissig an butterflyfish.

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