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Besser fotografieren: Die Drittel-Regel

Neulich hatte ich einen kurzen Vortrag auf der Blogfamilia zum Thema „Besser fotografieren für/auf Blogs“ gesprochen. In 30 Minuten eine sehr ambitionierte Idee, denn in 30 Minuten kann man wirklich nur sehr, sehr kurz das riesige Themenfeld anschneiden, geschweige denn, einen Fotokurs geben. Deswegen gibt es zukünftig wieder – hoffentlich regelmäßiger – kurze Fototipps und Minikurse für euch, egal ob Leser oder Blogger.

Eigentlich kann heute jeder scharfe und gut ausgeleuchtete Fotos machen, die Kameras, die es inzwischen auf dem Markt gibt, helfen da enorm.
Auf den letzten Hochzeiten, auf denen ich als Fotograf unterwegs war, hatten einige der Gäste oftmals eine bessere Ausrüstung als ich.

Mehr als sechs Jahre habe ich mit meiner guten alten Canon EOS 40D Fotos geschossen, während andere schon längst mit den richtig dicken Brummern (5d war da das Minimum) – und natürlich immer dem Neuesten auf dem Markt – antanzten (und der ein oder andere auch unbedingt gegen mich antreten wollte…). Meist passierte das Gleiche: technisch perfekt – zumindest draussen, bei gutem Licht – aber das Motiv…es lässt oft zu wünschen übrig. Keine Geschichte, keine Emotion, es wurde eben auf den Auslöser gedrückt, den Rest übernimmt ja – dank Vollautomatik – die Kamera. Auch schon mehrmals da gewesen: Sag mal, du fotografierst doch hier, kannst du mir mal die Kamera erklären? Woooot? Wieder andere verfolgten mich auf Schritt und Tritt.

Aber ein Foto macht eben mehr aus, als nur ein Klick auf den Auslöser. Wenn es dich nicht anspricht, du es dir genau einmal für ein paar Sekunden ansiehst und dann auf deiner Festplatte verschimmeln lässt, dann schlage ich folgendes vor: Lösch es einfach! Denn damit machst du Platz für ein anderes, besseres Foto (Musste ich auch lernen). Aber dann kommt eben eins mit mehr Kontrast, mit Knallfarben, mit einem scharfen Auge, statt einer scharfen Stirn oder es ist mal minimalistisch oder schlicht: ein Glückstreffer. Davon habe ich auch sehr viele, manchmal ist es eben das Gespür für den richtigen Moment – und dann ist es auch egal ob die Schärfe stimmt. Das Bild sagt etwas für dich aus.

Die Ausrüstung ist zweitrangig. Denn zum einen fotografieren wir alle inzwischen zum Großteil mit dem Mobiltelefon (und bitte, die Kamera eines Iphones…geht´s noch schlechter?), zum anderen kann man auch mit einer guten Kamera beschissene Fotos machen.

Wer sich – bevor er das Motiv ablichtet – kurz überlegt, was er da eigentlich ablichten will und wie es im Zweifel am besten wirken kann, der ist dem Ziel zum besseren Foto zu kommen schon mal ein bisschen näher. Wer dann noch weiter das Licht – auch mit Brennweite und Blende – für sich nutzt (und später womöglich das ein oder andere Hilfsmittel), der hat schon mal gute Chancen auf ein richtig gutes Bild, ganz ohne viel Aufwand.

Womit fange ich heute an? Mit etwas ganz einfachem: Der Drittel-Regel.

Als ich meinem Vater vor etwa 10 Jahren mal meine ersten Fotos gezeigt habe, bemängelte er den Großteil wegen zwei Dingen: Das Motiv ist ja gar nicht mittig! Und warum hast du alle Köpfe angeschnitten? Ich habe dann erstmal versucht, ihm die Drittel-Regel zu erklären, die angeschnittenen Köpfe habe ich unter den Tisch fallen lassen…
Fotoschule Drittel-Regel

ICH finde, Motive in der Mitte festzuhalten, das geht schon mal, aber eben nicht immer. Es wird – natürlich je nach Motiv – auf Dauer langweilig und uninteressant. Mehr Spannung, mehr Dynamik? Dann raus aus der Mitte! Die Drittel-Regel bedeutet folgendes: Ihr habt ein Foto/ein Motiv, das teilt ihr imaginär in neun gleich große Teile (zwei Linien waagrecht, zwei Linien senkrecht), sie entspricht im wesentlichen dem goldenen Schnitt. Ist das Motiv nicht in der Mitte, müssen, bzw. wollen Auge und Gehirn mehr gucken. Denn es gibt mehr zu sehen! Rechts steht ein Baum, links der absurde Farbverlauf zum Sonnenuntergang. Je nachdem, was spannender ist (Himmel oder Erde), legt man den Horizont auf die imaginäre obere oder eben untere Linie (Himmel toll? Dann viel davon zeigen! Erde toll, dann weniger Himmel!)

Bei Portraits liegen meist die Augen – weil am interessantesten – auf einer der Linien.

Fotokurs Drittel Regel Portrait

Und NATÜRLICH gibt es Ausnahmen. Es gibt überall Ausnahmen. Fotografie besteht eben nicht nur aus Technik, sondern viel aus Kreativität und Einfallsreichtum. Und eben auch vom Abwenden von der Norm. Auch ich mache manchmal mittige Bilder, insbesondere dann, wenn ich gerade dadurch ein „Wow-Geräusch“ (im Kopf) herstellen kann. Wie z.B. hier, auf der Aussichtsplattform, die sichtbar nur von zwei starken Seilen gehalten wurde, während es darunter viele Meter in die Tiefe ging.

Fotokurs Mitte

Mein Tipp: Es gibt Regeln beim fotografieren. Aber ich muss mich nicht immer daran halten.

Und was wollt ihr als nächstes wissen?

Für die, die jetzt noch nicht genug haben, habe ich noch folgende Fotothemen übrig:
Schöne Kinderfotos selber machen
Fotografieren bei schlechtem Licht
Besser fotografieren: haltet eure Linse sauber!

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dani

dani

Dani lebt und arbeitet in Berlin und schreibt seit neun (!) Jahren fleissig an butterflyfish.

5 comments

  1. Danke! <3

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