Mein Sohn Peter (3) liebt Autos, Motorräder, Bagger – eigentlich alles, was sich fortbewegen kann und dabei Geräusche macht. Am liebsten sitzt er selbst am Steuer und mimt den großen Rennfahrer. Kürzlich haben wir bei der Weizenernte zugeschaut und er gab erst Ruhe, als er neben Bauer Leitner im Traktor saß. Dann war er aber plötzlich sehr ruhig (und eingeschüchtert).

Weizenernte - Peter, Anna und der Traktor Weizenernte - Peter mit Bauer Leitner im Traktor

Zu diesem Ereignis kam es so: An einem sonnigen Tag im August verbrachte ich meine Mittagspause mit einem Salat und Butterbrezel auf einer Holzbank am Rande eines Weizenfeldes und schaute einem Mähdrescher bei der Arbeit zu. Fasziniert von dieser riesigen Maschine ging ich auf den Bauern zu, der dort mit seinem Traktor auf den Mähdrescher wartete und fragte ihn, ob ich mit meinen Kindern bei der Ernte zuschauen dürfe. Am nächsten Tag lernten Anna und Peter den Bauern Leitner und seinen Traktor kennen, und ich durfte ihm ein paar Fragen stellen.

Weizenernte - Peter ärgert Anna auf Strohballen

Welches Getreide wird am meisten gegessen?

Weizen ist das Getreide, das wir in Deutschland am meisten anbauen. Weltweit liegt der Weizen hinter Mais und Reis auf Platz drei.

Wieso heißt der Weizen Weizen?

Der Name leitet sich von der Farbe „Weiß“ der Getreidefrucht und des daraus hergestellten Mehls ab.

Weizenernte - Anna im Kornfeld

Wie viel Körner sind in einer Weizenpflanze?

Je Pflanze bilden sich zwei bis drei rundliche Halme, die bis zu einem Meter hoch wachsen können. Jeder Halm trägt eine Ähre, die wiederum 25 bis 40 Körner beinhaltet.

Weizenernte - Anna holt die Körner aus der ÄhreWeizenernte - Anna hält die Körner einer Ähre in der Hand

Wie wächst der Weizen?

Der beliebte Winterweizen wird im Oktober ausgesät. Die Samenkörner keimen schnell und entwickelt nach 15 bis 20 Tagen erste Sprossen. Die kleinen Pflanzen überwintern und halten selbst Temperaturen von bis zu minus 20°C aus. Im Frühjahr bilden sich die Wurzeln aus, die Halme strecken sich in die Höhe, und die Blätter und Ähren wachsen. Schließlich blüht das Getreide, und nach der Befruchtung entstehen die Körner. Im August ist Erntezeit.

Was wird aus Weizen gemacht?

Weizen ist ein Grundnahrungsmittel. Aus Weizenmehl werden Brot, Nudeln, Kuchen, Grieß, Bier und vieles mehr hergestellt.

Weizenernte - Mähdrescher im Anmarsch

Plötzlich wurde es lauter. Der Mähdrescher kam mit seinem riesigen Schneidwerk vorne majestätisch auf uns zugerollt. Peter sprang auf meinen Arm und hielt sich die Ohren zu. Da der Korntank noch nicht voll war, drehte er noch eine Runde auf dem Weizenfeld. Peter war ganz aufgeregt und wollte ganz genau wissen, was der Mähdrescher macht. Auch dies konnte Bauer Leitner uns erklären.

Mit seinem bis zu 14 Meter breiten Schneidwerk werden die Weizenhalme gemäht und über ein Band zu der Dreschtrommel befördert. Diese dreht sich mit hoher Geschwindigkeit und schleudert die Körner aus den Ähren. Die Körner werden über zwei Siebe geschüttelt, somit von kleinen Strohteilen gesäubert und mit einer Art Aufzug in den darüber liegenden Korntank befördert. Das gedroschene Stroh, bestehend aus den Halmen und Ähren, wird hinten aus dem Mähdrescher ausgeworfen. Entweder werden aus dem Stroh später Ballen gepresst, die man vor allem als Einstreu für Tiere verwendet, oder es wird gehäckselt und zur Anreicherung des Feldes in den Boden eingearbeitet.

Weizenernte - Peter und Anna auf Strohballen

Während der gesamten Ausführungen von Bauer Leitner hatte mein Sohn den Mähdrescher nicht aus den Augen verloren. Nun fing er an zu zappeln und zeigte auf ein langes Rohr, das der Mähdrescher wie einen Arm ausstreckte. „Nun ist er voll, der Tank“, entgegnete Bauer Leitner. „Jetzt wird abgetankt.“ Er erzählte, dass ein Mähdrescher im Getreide bis zu einer halben Stunde ohne Entleerung des Tanks dreschen kann. Dann werden die Körner über ein Rohr in den Anhänger des Traktors geblasen.

Weizenernte - Mähdrescher beim Abtanken

Vor knapp 200 Jahren wurde der erste Mähdrescher gebaut. Bis zu 40 Pferde wurden gebraucht, um ihn zu ziehen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann den ersten selbst fahrenden Mähdrescher, angetrieben von einer Dampfmaschine, die mit dem ausgedroschenen Stroh befeuert wurde.

Peter hörte gar nicht mehr zu, sondern schaute gebannt auf das Rohr, aus dem die Weizenkörner in den Anhänger fielen. Immer wenn wir über unseren Ausflug sprechen, erzählt er von dem riesigen Mähdrescher, dem Bauern Leitner, dem Traktor und davon, dass er auch Bauer werden will, wenn er groß ist.

Weizenernte - Michael König mit Peter

Die Fotos sind von Carolin Noack.

Weitere Lieblingsrezepte für Kinder hat Michael König in seinem Kochbuch KINDERTELLER – Leckere Kochrezepte für Kinder gesammelt.

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