Für Obazda kann man, muss man aber nicht bis nach München fahren. Am besten schmeckt er natürlich am Ort des Geschehens, wobei wie so oft darüber gestritten wird, woher der cremige Brotaufstrich mit dem kräftigen Aroma denn nun eigentlich kommt: Die Franken machen ihm mit ihrem Gerupften Konkurrenz, in Rheinhessen isst man den vom Prinzip her recht ähnlichen Spundekäs zur Brez’n/Brezel und was wäre der österreichische Heurige ohne den Liptauer, einen engen Verwandten der bayrischen Stullenschmiere?

So urbayrisch, wie der Biergartenklassiker sein möchte, ist er eigentlich auch gar nicht, man braucht nur mal einen Blick auf die multikulturelle Zutatenliste werfen: Camembert oder Brie aus Frankreich, alternativ Romadur aus Belgien, Paprika aus Spanien, Kümmel aus dem Orient. Allenfalls die Zwiebeln könnte man mit zugedrückten Augen als regionale Spezialität deklarieren, der Rest ist – typisch obazda – „zusammeng’manscht“.

obazda01 <!  :de  >Obacht, Kulturgut: Obazda mit schwarzem Sesam und Kresse <!  :  >

Vielleicht essen ihn Kinder deshalb auch so gern?
Es macht jedenfalls unheimlich Spaß, Obazda zusammenzurühren, vor allem, wenn man damit einem überreifen Camembert das Leben retten kann. Die Standardrezeptur sieht als Hauptakteure nur noch Butter, Kümmel und Rosenpaprika vor, aber wir sind hier ja keine Hard-liner.

Da ich selbst fast neun Jahre abseits des Weißwurstäquators gelebt habe, erlaube ich mir hin und wieder also einen kleinen Verstoß gegen das Reinheitsgebot und variiere meine Käsecreme mit Frischkäse oder Quark. Gewürzt wird mit schwarzem Sesam (tolles Aroma!) und viel Kresse statt dem gängigen Schnittlauch. Nur Birne will ich nicht in meinem Obazda!

Schmeckt toll zur bayrischen Brez’n, französischem Baguette und von mir aus auch zu türkischen Fladenbrot.

obazda2 <!  :de  >Obacht, Kulturgut: Obazda mit schwarzem Sesam und Kresse <!  :  >

Zutaten 

250 g reifer Camembert
125 g weiche Butter (alternativ ersetzt man die Hälfte der Butter mit Frischkäse)
1 Zwiebel, fein gehackt
1 TL edelsüßes Paprikapulver
(wer ohne Kinder isst: auch ½ TL rosenscharfes Paprikapulver)
Salz und Pfeffer
(wer ohne Kinder isst: 1-2 EL helles Bier)
½ Beet Kresse
2 EL schwarzer Sesam

Zubereitung: 

1. Den (sehr reifen) Camembert entrinden und in Stücke schneiden, mit einer Gabel zerdrücken. Die weiche Butter mit einem Schneebesen oder dem Handrüher schaumig rühren und gut untermischen, beim Frischkäse erübrigt sich das Rührprozedere.

2. Zwiebel schälen und sehr fein hacken. Unter die Käsemischung heben und gut verrühren. Wer ohne Kinder isst, kann etwas Bier dazugeben, ansonsten sorgen 1-2 EL Wasser für eine etwas cremigere Konsistenz.

3. Sesam in einer beschichteten Pfanne ohne Fett rösten. Ca. 1/3 davon zusammen mit dem Paprikapulver unter die Creme mischen, mit Salz und Pfeffer würzen.

4. Den „Obazden“ abgedeckt im Kühlschrank durchziehen lassen (ca. 2 Stunden). Kurz vor dem Servieren herausnehmen und mit Kresse und schwarzem Sesam bestreut servieren.

2 Responses

  1. Jenny

    hm lecker, lange nicht mehr gegessen.
    habe ihn auch mal selbst gemacht und mag das sehr.

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published.