Warum grünes Essen für Kinder ein rotes Tuch ist, versteh ich nicht so recht. Es geht doch nichts über ein selbst gemachtes Basilikumpesto, einen knackigen Salat oder eine dampfende Schüssel Spargelpasta. Die Grüne, versteht sich, also die mit grünem Spargel, weil der so schön bissfest ist und man ihn nicht schälen muss. Wer hat heute noch Zeit fürs Spargel schälen?

Die gesparte Zeit stecke ich in eine Zeitreise und Gedankenkreise. Wieso mochte ich als Kind eigentlich Spinat, Erbsen aber nicht? Was muss ein Essen haben, damit Kinderaugen leuchten? Und wie bekommt man Kinder mit Grün-Phobie dazu, grünen Spargel zu essen? Auf alle Fälle, das leuchtet mir ein, muss der Teller schön aussehen. Schöner als Schnitzel, schöner auch als Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und – uff, das wird schwer – noch schöner sogar als Pfannkuchen mit Nutella.

Halt, schmecken muss es ja auch! Ich entscheide mich für eine Offensive und greife tief in die Trickkiste. Hole rot gestreiften Sauerampfer hervor (dass der Blutsauerampfer heißt, muss man ja nicht gleich verraten), leere einen Becher Crème fraîche in das Spargelpüree und einen halben Laib Parmesan (naja, fast). Vom Grün ist jetzt nur noch ein zarter Pistazienton übrig, vom Spargelgeschmack eine dezente Note. Alles in allem ein Kracher: Samtig, sämig, würzig-mild. Und vor allem: kindertauglich.

Ach, und dann ist da ja noch der Crunchfaktor. Dieses winzige, knusprige Detail, das die Pasta zu einer echten Sensation macht. Sollte es also Restwiderstand geben: Die Parmesanchips werden ihn brechen! 




Wenn nicht mal das hilft… hm, wie wär’s mit Fischstäbchen? 



 

Tagliatelle mit grüner Spargelsauce und Parmesanchips



Zutaten

Für die Pasta
2 EL Olivenöl
1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
1 Knoblauchzehe
1 Bio-Zitrone
1 Zucchini, fein gewürfelt (optional)
2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
1 Bund grüner Spargel
ein paar Blätter Blutsauerampfer (optional)
ca. 300 ml Gemüsebrühe (oder auch mehr oder weniger, bitte selbst entscheiden)
50 g fein geriebener Parmesan
1 Becherchen Crème légère/fraîche
pro Person je nach Hunger ca. 80-100 g Tagliatelle

Für die Parmesanchips:
40 g fein geriebener Parmesan
sonst nix, nur Backofenluft und Liebe


1. Erstmal: Gemüse (s.o.) putzen und klein schneiden. Den grünen Spargel ebenfalls gut waschen und die Spitzen mit einem scharfen Messer abtrennen. Beiseite stellen, den Rest der Spargelstangen in Scheiben schneiden.

2. Dann: Die Parmesanchips herstellen. Backofen auf 200°C vorheizen. Ein großes Backblech mit Backpapier auslegen. Den Parmesan in eine große Schüssel reiben, mit den Fingern kleine Häufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen, dabei auf genügend Abstand zwischen den Häufchen achten (der Käse zerläuft beim Erhitzen!). Das Blech für ca. 5 Minuten in den Backofen schieben, bis die Käsehäufchen zu kleinen Plätzchen geschmolzen sind. Der Käse sollte goldgelb, aber noch nicht zu braun sein (denn dann wird er bitter!). Ein paar Minuten abkühlen lassen, dann die Chips vorsichtig vom Backpapier lösen. Zwischen Butterbrotpapierlagen aufheben.

3. In einer beschichteten Pfanne ca. 2 EL Olivenöl auf kleiner Flamme/Stufe erhitzen. Zwiebeln darin ca. 3-4 Minuten sanft andünsten. Zucchini, Frühlingszwiebeln und Spargelscheiben mit in den Topf geben und ebenfalls andünsten. Dann alles mit Brühe aufgießen und auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis das Gemüse gar und pürierwillig ist. Das dauert ca. 10-15 Minuten und es sollte am Ende ein Großteil der Flüssigkeit verkocht sein.

4. Topfinhalt in einen hohen Becher geben, zu viel Flüssigkeit vorher abgießen (wer sich nicht sicher ist, gießt am besten die ganze Flüssigkeit ab und gibt dann beim Pürieren so viel davon hinzu, bis das Püree cremig genug ist). Mit dem Zauberstab alles zu einer cremigen Spargelsauce pürieren, dann die Crème fraîche, den Parmesan und einen Schuss Olivenöl untermixen. Falls die Sauce zu dick ist, siehe oben (also Flüssigkeit zugießen). Mit Salz, Pfeffer und abgeriebener Zitronenschale vorsichtig abschmecken.

5. Tagliatelle oder Fettuccine in sprudelndem Salzwasser kochen. Kurz bevor die Nudeln al dente sind, die beiseite gelegten Spargelspitzen mit ins Wasser schmeissen. Wenn die Nudeln gar sind, abgießen (evtl. etwas Wasser zum Sauce strecken auffangen).

6. Die Sauce in einer tiefen Pfanne oder einem großen Topf kurz erwärmen, die abgetropfte Pasta unter die Sauce heben und alles gut durchschwenken. Zum Schluss die Spargelspitzen mit in die Pfanne geben. Pasta auf Teller verteilen, mit Parmesanchips, frisch geriebenem Parmesan und ein paar Blättern Sauerampfer garnieren und sofort servieren.

Alternative 1: Wenn ausnahmsweise einmal keine Kinder mitessen, kann man das Gemüse auch hübsch mit etwas Weißwein ablöschen, bevor man mit Brühe aufgießt.

Alternative 2: Die Spargelstangen in sprudelnd kochendem Wasser blanchieren, abschrecken und mit angedünsteten Zwiebeln etc. und etwas Kochwasser pürieren. Macht die Sauce etwas grüner.

Zubereitungszeit: 30-40 Minuten

Samtig, saucig, gut: ★★★★★

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9 Responses

  1. Jenny

    yummi yummi, da läuft mir gleich das wasser im munde zusammen.
    und recht hast du, es geht nix über selbstgemachtes pesto.
    parmesan chips kannte ich bis vor 5 min noch nicht.
    wo kaufst du die?
    liebe grüße, jenny

    Reply
  2. Limette

    Das sieht unglaublich lecker aus – für mich! Aber ich fürchte, meine Tochter wird nur die Nudeln essen. Und das, obwohl grün ihre Lieblingsfarbe ist. Pesto, Erbsen und Zuccini gehen bei uns aber. Manchmal ist es auch die Konsistenz glaube ich. Naja, ich habe als Kind auch nix gegessen und jetzt liebe ich z.B. Spargel. Es besteht also durchaus Hoffnung.
    LG
    Silke

    Reply
  3. Sophie

    Hallo Jenny, die mach ich selbst – guck mal in’s Rezept ;-)
    Liebe Limette: Zucchini ist ja auch drin, vielleicht kannst du ein bisschen Pesto über die Pastasauce tupfen? Ich finde, die Sauce schmeckt gar nicht so spargelig, man kann’s ja mal probieren :-)

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  4. Molly

    Ich kenne das Problem “Kinder vs. Grün”. Leider verliere ich mit meinen Versuchen immer(obwohl ich Köchin bin) :( und ich weigere mich aus Essen Gesichter zu basteln.

    Reply
    • Sophie

      So pi mal Daumen? Ich würde sagen der Sugo reicht mit der angegebenen Menge für mindestens 3 Personen, also Vati, Mutti, Kind. 2 Bund Spargel sollten für gut 5-6 Portionen reichen, das hängt natürlich auch immmer davon ab, wie „saucig“ man die Pasta mag. Ich z.B. mag viel Sauce ;-)

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  5. Arzt4Empfaenger

    Hmm, verstehe ich das richtig, daß man den Hauptanteil des Spargels für die Sauce püriert? Ich höre gerade meine Mutter “Sünde!!” schreien, haha!
    Aber im Ernst, das sieht sooo lecker aus! Ich bin sowieso ein großer grüner-Spargel-Fan (kein Schälen, die Farbe und der Geschmack! Gerne roh über den Salat gehobelt oder Hobel in Butter angedünstet), und das sieht nach einer leckeren Variation aus – ich bin sonst nicht so kreativ beim Essen und esse den Spargel einfach so nur mit brauner Butter. ;-)
    Und die Sauce kocht man ganz regulär, also Knoblauch, Frühlingszwiebeln etc. anbraten und danne erst pürieren? Ich koche so selten, da ist das keine Selbstverständlichkeit… und trotz dreimaligem Durchlesen bin ich mir nicht sicher. Bitte entschuldigt meine Blödheit. :’-)

    Zum Glück ißt mein Sohn auch Grünes (der gewürfelt gebratenen Zucchini hat er gerade abgeschworen, aber was er nicht sieht, wird er auch nicht ablehnen können), aber wie mit Allem eben nur manchmal.

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  6. Sophie

    Sünde? :-D Naja, für Puristen sicherlich. Aber man kann/darf mit Spargel doch genau so herumexperimentieren wie mit anderem Gemüse. Oder nee? Braune Butter und Parmesan ist natürlich auch klasse… !
    Immer fragen! Aber wie meinst du das, „und dann erst pürieren“? Im ungegarten Zustand lässt sich der Spargel nicht zerkleinern. Du kannst den Spargel auch einfach nur blanchieren/gar kochen und ohne das angedünstete Knoblauch/Zwiebel-Gemisch pürieren, dann schmeckt der Sugo halt nicht so würzig.

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  7. usch

    Das hört sich seeehr lecker an!
    Ich denke unser Töchterchen wird sowas auch mal mögen, bloß fehlen mit 3 Monaten noch die Beißerchen.
    Schlimmer mit dem Essen, vor allem von Gemüse, ist zur Zeit der Papa der Kleinen, sprich mein Liebster.
    Doch mit grünem Spargel könnt ich ihn kriegen und den Parmesanchips dazu…

    Danke für das innovative Rezept,
    hätte auch nie an Spargel-Pürieren gedacht!

    Schöne Woche

    Usch

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